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Wir sind ab nun regelmäßig im CHEMIE REPORT mit einer ÖGMBT-Kolumne mit den neuesten Entwicklungen aus der österreichischen Life Science Szene vertreten. Wenn Sie einen interessanten Beitrag dazu leisten wollen, richten Sie Ihre Anfrage bitte an die Geschäftsstelle!

 

 

Österreichs F&E-Rate ist mit 3,2 Prozent am BIP die zweithöchste innerhalb der EU. Als ganz wesentlichen Nachteil für unser Industrieland kritisieren Fachleute aber die seit langem unzureichende Dotierung der wettbewerblichen Förderung der Grundlagenforschung, die sich am untersten Ende der Skala findet. Dabei wird der globale Kampf um die „besten Köpfe“ immer intensiver. Wo die Hebel anzusetzen sind, ist bekannt.

indringlicher Mahner in Sachen For-schungsförderung war über die Jahre immer wieder Hannes Androsch. Besonders deutlich fielen seine Worte im Vor-feld seines kürzlich erfolgten planmäßigen Rücktritts als Präsident des „Rates für For-schung und Technologieentwicklung“ aus. Dabei attestierte er Österreich eine „unverantwortliche Zukunftsvergessenheit“ und ein Staat der „Ankündigungsweltmeister“ zu sein, das Fehlen einer Forschungsstrategie bis 2030 und einen bereits feststellbaren „enormen brain drain“ ins Ausland. Was die gesamte EU betrifft, zeichnete er das Bild eines „kalten Krieges“ mit den USA und der VR China, in dem es um die „Vorherrschaft bei Zukunftstechnologien“ gehe. Positiv aufgenommen wurden seine klaren Worte von den Führungskräften der heimischen Forschungsförderungsorganisationen. Sie fühlen sich dadurch bestätigt, „der Politik“ neuerlich ihre Ver-antwortung für die Zukunft des Landes in Erinnerung zu rufen. Sie können dabei auf entsprechende Absichtserklärungen im Regierungsprogramm von „Türkis/Grün“ verweisen (Kurzfassung): Beschluss des „Forschungsfinanzierungsgesetzes“ (eines Wachstumspfads, der mehrjährige Finanzierungs- und Planungssicherheit gibt); Erarbeitung einer Strategie für Forschung, Innovation und Technologie (FTI) 2030; Stärkung der Grundlagenforschung durch eine „Exzel-lenzinitiative“; Bekenntnis zu einer Technologie- und Klimaoffensive in der Angewandten Forschung. Das Forschungsfinanzierungsgesetz wurde kürzlich vom Nationalrat beschlossen und damit zumindest ein dreijähriger Planungshorizont sichergestellt. Was nach wie vor fehlt, ist der alles entscheidende Finanzierungsteil. Ungeklärt sind zudem die nachhaltige Dotierung der Universitäten und die Valorisierung des Fachhochschulbudgets.

Das sind Österreichs wichtigste Förderagenturen

Nutznießer sollen also sowohl die Grundlagenforschung als auch die Angewandte Forschung sein. Förderanträge bearbeiten der bereits 1968 eingerichtete „Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung FWF“ (Grundlagen-forschung) und, für die unternehmensnahe Forschung, die 2004 gegründete, im Eigentum von zwei Bundesministerien stehende, „Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft“ (FFG). Beim FWF handelt es sich um eine Institution mit eigener Rechtspersönlichkeit. Das Verhältnis der finanziellen Dotierung von FWF und FFG betrug 2019 in etwa eins zu drei. Die dritte große Agentur ist die „Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft“ (aws), die Förderbank des Bundes für unternehmensbezogene Forschungsvorhaben. Projekte der Life Sciences werden u. a. von der „Ludwig Boltzmann Gesellschaft“ unterstützt. Die „Christian Doppler Forschungsgesellschaft“ (CDG) stellt gleichsam die Verbindung zwischen der Förderung der Grundlagenforschung und der Angewandten Forschung dar. Sie ist als Verein in einer Public-Private-Partnership organisiert. Instrumente der CDG sind die „Christian Doppler Labors“ (für Kooperationen zwischen den Universitäten und den Unternehmen) und die „Josef Ressel Zentren“ (Fachhochschulen plus Wirtschaft). CDG-Präsident Martin Gerzabek kann über ein Jahresbudget von 30 Mio. Euro verfügen. Er freut sich, dass die Agentur nun auch im Forschungsfinanzierungsgesetz als zentraler Forschungsförderer verankert wurde. Die Agenturen beziehen die von ihnen vergebenen Fördergelder wiederum zum Teil aus der (derzeit unbefüllten) „Nationalstiftung“ und dem „Österreich Fonds“. Die Nicht-Dotierung der Nationalstiftung würde zu einem wesentlichen Einschnitt in den Budgets der Agenturen führen.

Die Grundlagenforschung hat „Vorsorgefunktion“ für die Gesellschaft

Seit langem ist ein Trend zur Privati-sierung der Wissensgenerierung zu verzeichnen. Das Engagement der Industrie ist durchaus begrüßenswert, es birgt aber auch Risiken. Es geht dabei etwa um die mögliche Einschränkung der thematischen Vielfalt und darum, wem letztlich die durch private Gelder gewonnenen Erkenntnisse gehören. Als ein zentrales Argument für die staatliche Unterstützung der Grundlagenforschung nennt FWF-Präsident Klement Tockner deren „Vorsorgefunktion“ für die Gesellschaft. Im Unterschied zur Angewandten Forschung sei nämlich einzig die Grundlagenforschung in der Lage, künftige Herausforderungen und Krisen möglichst früh zu identifizieren, uns darauf vorzubereiten und, im Idealfall, Letztere sogar abzuwenden. Tockner: „Das Engagement auf diesem Terrain ist risikoreicher und muss zumeist auch längerfristig angelegt sein, weshalb sich die öffentliche Hand von dieser Aufgabe keinesfalls zurückziehen darf – ganz im Gegenteil!“ In ganz praktischer Hinsicht sind die vom FWF vergebenen Fördergelder für Personen am Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere besonders wichtig. Gelingt es den Jungen nämlich nicht, diese Ersthilfe zu bekommen, dann droht die Zahl und ev. auch die Qualität ihrer Projekte abzunehmen, wodurch es für sie wiederum viel schwieriger wird, Drittmittel zu lukrieren. Wie wichtig diese aber sind, zeigt die Lage an unseren Universitäten: Die Finanzierung des Bundes deckt im Wesentlichen nur noch die Kosten für die Infrastruktur, das Personal und die Lehre ab. Kein Wunder also, dass der FWF mit einer ständig steigenden Zahl von Förderanträgen konfrontiert ist. Seine Dotierung durch den Bund kann damit längst nicht mehr Schritt halten. 2019 wurden Projekte im Gesamtwert von rund einer Mrd. Euro eingereicht, wovon Anträge im Wert von 237 Mio. Euro genehmigt werden konnten. 86,6 Mio. Euro davon entfielen auf die Medizin und die Biologie. Weitere exzellente Projekte aus allen Disziplinen im Wert von knapp 60 Mio. Euro mussten aufgrund fehlender Mittel abgelehnt werden. Klement Tockner: „Dadurch verliert unser Land jährlich rund 500 großartige Talente, die so entweder ins Ausland gehen oder der Wissenschaft für immer den Rücken kehren.“ Diese Situation missfällt auch der OECD. Sie hat Österreich kürzlich mit Nachdruck empfohlen, deutlich mehr in die wettbewerbliche Grundlagenforschung zu investieren und nicht ausschließlich dem Druck kurzfristiger Wirtschaftsmaßnahmen nachzugeben.

Dreh- und Angelpunkt für den FWF: die „Exzellenzinitiative“

Schon im August 2019 hatte die „Allianz österreichischer Wissenschaftsorganisa-tionen“ (FWF, Wissenschaftsrat, Universi-tätskonferenz Uniko, Akademie der Wissenschaften, ERA Council Forum Austria und IST Austria) eindringlich auf die prekäre Lage aufmerksam gemacht. In der Folge erging seitens des Wissenschaftsministeriums an den FWF und die Räte der Auftrag, ein Konzept für eine „Exzellenzinitiative“ auszuarbeiten. Diese sollte aus den Säulen „Exzellenzcluster“ (aufbauend auf den bestehenden Stärken des Sektors), „Emerging Fields“ (neue Themenfelder, auf denen man schließlich international führend sein will) und „Austrian Chairs of Excellence“ (Unterstützung bei der Gewinnung der „besten Köpfe“ bei Berufungen) bestehen. Das Konzept der Exzellenzinitiative liegt längst vor. Seitens der Politik gelte es nun, das von ihr gezeigte Commitment durch entsprechende Geldmittel zu bestätigen, so auch Martin Gerzabek.

Die Grundeinstellung der Gesellschaft zur Forschung ist ausbaufähig

Auch der Arzt, Biologe und Professor an der Medizinischen Universität Innsbruck, Lukas A. Huber, erkennt großen Handlungsbedarf und führt dazu folgendes Beispiel an: „Die rund 230 Millionen Euro, welche der FWF pro Jahr vom Bund erhält, entsprechen etwa jener Summe, die alleine der Universitätsstandort Heidelberg von der DFG bekommt.“ Er ortet bei uns aber auch eine überlange Review-Dauer bei Einzelanträgen und einen „generell ge ringen Stellenwert“, den die Forschung in der Gesellschaft habe. „Wahrgenommen wird diese nur, wenn es um das Funktionieren der Unis oder um die Bereitstellung von Studienplätzen geht.“ Zu diesem Urteil beigetragen haben sicher auch entsprechende Rückmeldun-gen von Mitgliedern der „Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissen-schaften und Biotechnologie“ (ÖGMBT), der Huber als Präsident vorsteht. Die ÖGMBT vertritt die Interessen von mehr als 1.300 Wissenschaftlern, Studierenden und 60 Unternehmen, wobei sowohl die Grundlagenforschung als auch die Angewandte Forschung bis hin zur Umsetzung der Ergebnisse abgedeckt werden.
Jedoch habe „Corona“ den Blick der Menschen stärker auf die Forschung gelenkt. Insgesamt seien über das Virus bzw. die Pandemie weltweit bisher rund 45.000 Arbeiten publiziert worden. Als international gefragter Reviewer weiß Huber über die dabei aufgetretenen Qualitätsdefizite Bescheid. „Auch daran wird klar, wie wichtig eine gut dotierte Grundlagenforschung samt effizienten Review-Prozessen ist.“
Der ÖGMBT-Präsident trägt die Forderungen der „Allianz der Österreichischen Wissenschaftsorganisationen“ mit. Er verlangt aber zudem ein Weiterdenken in Richtung Stiftungen, wie sie in den USA, Großbritannien und in der Schweiz gang und gäbe sind. Als Beispiel nennt er die ETH Zürich, die auf diese Weise pro Jahr rund 100 Millionen Euro einnimmt. Huber teilt damit zugleich einen Seitenhieb in Richtung Österreichische Nationalbank aus, die ja ihren traditionsreichen „originären Jubiläumsfonds“ fortan nur mehr „notenbankrelevanten Fragestellungen“ zur Verfügung stellt. Die Schweiz habe aber auch nicht minder Wichtiges längst umgesetzt: Das eidgenössische Dotierungsverhältnis zwischen Grundlagenforschung und Angewandter Forschung verhält sich genau umgekehrt zu unserem Modell.

Wettbewerb um die besten Talente

Ohne Zweifel könnte Österreich die Grundlagenforschung auch ins Ausland auslagern und die Ergebnisse abschöpfen. Klar ist aber, dass dadurch weitere Abhängigkeiten entstünden und das Land noch mehr Kreative verlieren würde. Gelder, um dieses Szenario zu vermeiden, sind vorhanden. Für viele Fachleute geht es vielmehr um die Frage, worin investiert wird. Das „Prinzip Gießkanne“ dürfte jedenfalls – gerade in Zeiten des weltwei-ten Wettbewerbs um die „besten Köpfe“ – nicht das optimale sein. Eine immer öfter genannte Möglichkeit, Bundesmittel zielgerichteter und mit besseren Resultaten zu vergeben, ist es, deren Höhe an der Zahl der an einer Lehr- bzw. Forschungseinrichtung angesiedelten „Besten“ zu bemessen. Dies ist in vielen anderen Staaten längst gängige Praxis, während in Österreich nach wie vor im Wesentlichen die Anzahl der Studierenden oder der abgeschlossenen Studien zählt („Modus Gießkanne“). Resultat davon sei es, so Klement Tockner, dass es nach dem jüngsten Ranking der „Times“ nur die Universität Wien unter die Top 200 der Welt geschafft hat. Zum Vergleich: in der Schweiz sind es sieben, in Holland elf Universitäten. Die Ermittlung, ob ein Standort „top“ ist (oder eben nicht), würde in der Folge wohl auch die Diskussion um die Kleinteiligkeit (22) der heimischen Universitätslandschaft erübrigen. Als Bewertungskriterium empfiehlt Tockner die Zahl der erfolgreichen Einrei-chungen einer Institution beim FWF. Ein für ihn positiver Nebeneffekt: „Die Politik“ würde dadurch mehr vorzeigbare Spitzenleistungen sehen, die sie ja gerne vor den Vorhang holt. Die erwähnte „Exzellenz-initiative“ sei auch deshalb so wichtig. Im Zusammenhang mit ihr empfiehlt Lukas A. Huber allerdings, zuerst eine ausreichende Dotierung für Einzelanträge zu sichern und die „Spezialforschungsbereiche“ besser zu finanzieren, da gerade diese geeignet seien, einem Campus positive Impulse zu verleihen.

„Internationalität“ sieht anders aus

Ausbaufähig wäre ohne Zweifel auch die „Internationalität“ an den heimischen Forschungs- und Lehrstätten. Kamen laut „Profil“ im Jahr 2013 im Schnitt bereits 20 Prozent der Professoren aus Deutschland (Uni Wien und Uni Salzburg ca. 38 %), soll ihr Anteil heute mancherorts schon bei deutlich über vierzig Prozent liegen. Hinzu kommt noch die von den jeweiligen Kräf-ten mitgebrachte „Entourage“. Ein „brain drain“ ist in dieser Hinsicht also nicht feststellbar. Die Jobaussichten für heimische Kräfte dürften dadurch nicht gerade steigen. Für Klement Tockner und Lukas A. Huber ist diese Situation deshalb unbefriedigend, da sie nur einen Teil der europäischen Vernetzung darstellt – und davon bloß nur einen Aspekt. Wovon wir aber tatsächlich mehr bräuchten, so die beiden Experten unisono, wären mehr Talente aus aller Welt! Chancen dafür dürfte etwa der „Brexit“ bieten. Was sich diesbezüglich tut, könnte sich bereits anhand der in Österreich zur Besetzung anstehenden rund 360 neuen Professuren zeigen und, sollte sie tatsächlich verwirklicht werden, auch im Kontext mit der neuen Technischen Universität in Linz.
Beim FWF befasst man sich aber auch mit Initiativen, die der Bevölkerung den Wert der Grundlagenforschung vermitteln sollen. Angedacht sind etwa die Intensivierung der Kooperation mit dem ORF und mit Tageszeitungen sowie Publikumsveranstaltungen wie jene 2018 am Maria-Theresien-Platz in Wien. Damals konnten innerhalb von vier Tagen rund 35.000 Menschen für Wissenschaft und Forschung begeistert werden.

Published in: Chemiereport 06/2020

Die Young Life Sciences Austria (YLSA) vernetzen junge Mitglieder der ÖGMBT miteinander. Wir haben mit  
einigen von ihnen über ihre Erfahrungen mit den aufgrund COVID-19 verhängten Maßnahmen gesprochen.

Die weitgehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens zum Schutz vor der Ausbreitung der COVID-19-Pandemie brachen im März sehr plötzlich auf Österreich herein. Auch die in der biowissenschaftlichen Forschung Tätigen waren gezwungen, mit einem Mal ihre Arbeitsweise zu ändern. Kevin Domanegg zum Beispiel hat gerade an seinem Bachelor Praktikum am IST Austria gearbeitet und sich dabei mit dem Transport von Phytohormonen im Zuge der Pflanzenentwicklung beschäftigt. Sein Studium der „Molekularen Biotechnologie“ an der FH Campus Wien beinhaltete auch ein 20-wöchiges Praktikum, das er in der Gruppe von Eva Benková am IST Austria absolvierte. „Wir wurden auf  home-Office umgestellt und alle Experimente mussten abgebrochen werden“, erzählt Domanegg: „Dies war vor allem deshalb schade, da ich zu diesem Zeitpunkt eigenständig zu arbeiten begann und noch gerne viele Aspekte beantwortet hätte.“ Glücklicherweise hatte er in den Wochen davor ausreichend Daten erhoben, deren Analyse er sich nun widmen konnte. Mit der Reaktion des IST Austria zeigt sich Domanegg zufrieden: „Auch wenn der Lockdown relativ rasch erfolgt ist, so hatte ich doch das Gefühl, dass wir auf diesen Fall vorbereitet wurden. Wir hatten dazu Gruppenmeetings, in denen bereits im Vorfeld besprochen wurde, was jeder Einzelne von zu Hause aus erledigen könnte.“ Außerdem wurden, als der Lockdown einmal in Kraft war, tägliche Update-E-Mails versendet, um den Forschern einen Überblick über die sich ständig verändernde Situation zu geben. Auch wenn die Arbeit im Labor nicht im Vordergrund steht, zogen die Virus-bedingten Maßnahmen starke Veränderung in der Arbeitsweise nach sich, wie das Beispiel von Benjamin Bayer zeigt: „Da ich glücklicherweise sehr viel am PC arbeite und einen Remote-Zugang zu meinem Rechner im Büro hatte, konnte   ich meine Arbeit beinahe nahtlos fortsetzen.“ Dennoch hat es etwas Zeit in Anspruch genommen, den Computer zu Hause vollständig arbeitstauglich zu machen und alle benötigten Softwares zu installieren. Bayer war gerade dabei, seine Dissertation am Institut für Bioverfahrenstechnik der BOKU abzurunden. Er arbeitete dabei im Zuge eines FFG-Projekts an der Modellierung von Prozessen und der Implementierung von neuen Qualitätssicherungskonzepten in der biopharmazeutischen Produktion. Im August 2019 wurde aus dem Projekt das Startup Novasign GmbH gegründet. Neben der Dissertation widmete sich Bayer daher dem Ausarbeiten einiger Ideen für das neu gegründete Unternehmen, als sich die Gangart mit einem Mal änderte: „Die Kommunikation im Team wurde natürlich erschwert. Es ist doch etwas anderes, wenn man sich nur kurz umdrehen muss, um etwas zu erfahren.“ Zudem wurden auch einige der potenziellen Kooperationen abgesagt, da sich der Fokus der meisten Firmen umorientiert hatte. „Zusammengefasst würde ich sagen, es hat sich so angefühlt als würde die wissenschaftliche Welt plötzlich stillstehen“, so Bayer.

Die Rettung der teuren Mäuse

In anderen europäischen Ländern konnte man ähnliche Erfahrungen machen: Marion Salzer arbeitet als Postdoc am „Center for Genomic Regulation“ in Barcelona. Ihr Projekt beschäftigt sich mit der Frage, ob „schlafende Eizellen“, die in den Ovarien von Frauen darauf warten, dass sie aktiviert werden und anfangen zu reifen, in dieser Zeit einem Alterungsprozess unterliegen. Für eine solche Arbeit waren die Auswirkungen der verordneten Einschränkungen massiv: Viele Facilities waren großteils geschlossen, und die Hälfte der Maschinen war nicht in Betrieb, da in den Räumen auch nur die Hälfte der sonst üblichen Anzahl von Personen arbeiten durfte. „Ich war im März gerade dabei, diese Eizellen mittels FACS zu isolieren und Transplantationsexperimente durchzuführen, bei denen alte Ovarien in junge Mäuse transplantiert werden und vice versa“, erzählt Salzer. Der Lockdown hatte zur Folge, dass die Maus-Facility des Instituts forderte, zahlreiche Mauslinien zu töten, da der Zugang des Personals zur Einrichtung reduziert werden musste. „Ich habe eine Woche lang damit verbracht, das zu verhindern, da meine Mäuse alt und daher extrem teuer sind.“ Kevin Domanegg ist froh, dass sich für ihn durch den Lockdown keine Verzögerungen ergeben haben: Er hatte genügend Daten, um die Auflagen der Bachelorarbeit zu erfüllen, die von der FH zudem an die aktuelle Situation angepasst wurden, um den Studenten beim Abschluss entgegenzukommen. Benjamin Bayer bedauert, dass nicht nur sein Rigorosum, sondern auch die meisten Konferenzen nun online stattfinden müssen: „Konferenzen sind für unser Startup in der Anfangsphase sehr wichtig, um Aufmerksamkeit zu erhalten und gesehen zu werden.“ Die Idee der schrittweisen Öffnung fand Marion Salzer gut: „Man war sich zwar nie ganz sicher, was man jetzt darf und was nicht, aber im Endeffekt waren die ganzen Diskussionen über die sich ständig ändernden Regeln unterhaltsam.“ 

Life Science Career Fair

Wie in Chemiereport, Ausgabe 4/2020, berichtet, findet die diesjährige ÖGMBT-Jahrestagung in einem völlig veränderten Online-Modus statt. Nach einem Kickoff-Event (ebenfalls online) von  21. bis 23. September werden in einer Serie von „Life Science  Tuesdays“ bis Ende März 2021 an jedem zweiten Dienstagnachmittag virtuelle Communities zu speziellen Themen zusammentreffen. Damit stellte sich aber auch die Frage, wie man in diesen Modus den gut etablierten „Career Day“ einbetten will, bei dem sich Firmen als potenzielle Arbeitgeber präsentieren und Jungforscher an ihren Karrierepfaden feilen. Die Antwort ist die „Life Science Career Fair“ – eine virtuelle Plattform für Arbeitgeber und Karriereinteressierte, die, wie die Tagung selbst, bis März 2021 „geöffnet“ haben wird. „Wir haben ein leicht zugängliches Format mit hoher nationaler und internationaler Sichtbarkeit entwickelt, bei dem Berufsbilder und Karrieremöglichkeiten in den Life Sciences vorgestellt werden“, sagt dazu ÖGMBT-Geschäftsführerin Alexandra Khassidov. Die virtuelle Messe  wird jeden Tag rund um die Uhr offen stehen, optional können „Sprechstunden“ und individuelle Termine vereinbart werden. Live-Interaktionen sind über Text Chat und Video Calls in Gruppen oder nach Terminvereinbarung individuell möglich. Der Einstieg erfolgt im Rahmen des virtuellen Kickoff-Events, in dessen Rahmen sich die Aussteller in Kurzpräsentationen vorstellen, danach können monatliche Schwerpunkte gewählt werden. Interessierte Firmen, Forschungseinrichtungen und weitere Organisationen können sich ab sofort einen Stand sichern. Die Cluster-Organisationen LISAvienna, ecoplus, Human Technology Styria und Standortagentur Tirol sowie die Plattform Life Science Austria (LISA) konnten als Partner gewonnen werden. Dazu Sonja Polan von aws Life Science Austria: „Mit der Unterstützung der diesjährigen ÖGMBT Life Science Career Fair können wir aufzeigen, welche spannenden Möglichkeiten die österreichische Life-Science-Szene den Studierenden und Absolventen bietet. Top ausgebildete Fachkräfte sind für die österreichische Branche überlebenswichtig, um das volle Potential dieses innovativen Sektors auszuschöpfen.“

www.oegmbt.at/jahrestagung/career-fair

Published in: Chemiereport 05/2020

Das größte Treffen der Life Science Community Österreichs stellt sich den aktuellen Herausforderungen und wird in diesem Jahr nach einem ganz neuen Modus abgehalten: Einem „Online-Kickoff-Event“ von 21. bis 23. September folgen „Life Science Tuesdays“, an denen sich die Communities themenspezifisch virtuell treffen.   Eigentlich war alles vorbereitet für die diesjährige ÖGMBT-Jahrestagung: Die Schwerpunkte waren gesetzt, die Location am Standort Graz, der turnusmäßig als Gastgeber an der Reihe gewesen wäre, reserviert, die Registrierung der Teilnehmer sollte beginnen. Doch dann kam der Lockdown. „Wir hatten noch lange gehofft, dass im September wieder eine Konferenz mit persönlicher Präsenz der Teilnehmer möglich sein wird“, erzählt Harald Pichler, Professor für Molekulare Biotechnologie an der TU Graz und Leiter des Organisationskomitees der Tagung. Doch dann hat sich schnell herausgestellt, dass das nicht möglich ist. „Vor allem die Reisebeschränkungen waren ein Problem. Wir hatten ja viele internationale Referenten eingeladen, da musste schnell eine Entscheidung getroffen werden“, ergänzt Helmut Bergler vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz, der ebenfalls federführend an der Organisation beteiligt ist. Nach einigen (virtuellen) Krisensitzungen des ÖGMBT-Vorstandes war es ab der zweiten Mai-Woche klar: Alles geht in Richtung einer virtuellen Tagung. „Wir haben uns überlegt: Was macht unsere Jahrestagung aus und wie…
Unis und Fachhochschulen, Konzerne und Startups – von den Pandemie-bedingten Einschränkungen sind alle betroffen. Wir haben uns bei Mitgliedsorganisationen der ÖGMBT umgehört, wie sie mit der Situation umgegangen sind. Shutdown, Lockdown, Stay-at-home – nichts geht mehr? Ganz so war es in der Life-Sciences-Branche auch in Zeiten von COVID-19 nicht. Viele Aktivitäten liefen weiter, wenn auch unter besonderen Umständen. „Ich halte für gewöhnlich die Vorlesung ,Zellbiologie für Mediziner‘ vor zahlreichen Hörern“, erklärt Lukas Huber, Professor für Zellbiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck und Präsident der ÖGMBT. Weil diese physisch in diesem Semester nicht stattfinden konnte, hat er auf einen elektronischen Weg zurückgegriffen, um mit den Studenten in Verbindung zu treten: Er richtete einen eigenen You-Tube-Kanal ein und trug im Live-Stream vor: „Das hat gegenüber einer Aufzeichnung den Vorteil, dass Studenten im Live-Chat unmittelbar Fragen stellen können. Dieses Format trifft auf große Akzeptanz.“ Hubers Kanal hatte binnen weniger Wochen mehr als 20.000 Zugriffe zu verzeichnen – nicht nur aus Innsbruck, sondern aus ganz Österreich, der Schweiz und anderen deutschsprachigen Regionen. Auch Harald Hundsberger, Leiter des Instituts für Biotechnologie der IMC FH Krems, die jüngst als institutionelles Mitglied der ÖGMBT gewonnen werden konnte, erzählt, wie man in der Lehre auf die neue Situation…