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Wir sind ab nun regelmäßig im CHEMIE REPORT mit einer ÖGMBT-Kolumne mit den neuesten Entwicklungen aus der österreichischen Life Science Szene vertreten. Wenn Sie einen interessanten Beitrag dazu leisten wollen, richten Sie Ihre Anfrage bitte an die Geschäftsstelle!

 

 

Laut ÖGMBT-Präsident Lukas Huber war die COVID-19-bedingt virtuelle Jahrestagung 2020 „eine Expedition und ein Abenteuer“. Die Vorbereitungen für deren heurige Neuauflage sind bereits voll im Gang.

Ein großer Erfolg war die Jahrestagung 2020 der ÖGMBT, die infolge der COVID-19-Pandemie erstmals online abgehalten wurde. Präsident Lukas Huber konstatierte bei der Abschlussveranstaltung, die „virtuelle“ Jahrestagung sei „eine Expedition und ein Abenteuer“ gewesen. Doch die Organisatoren Harald Pichler von der Technischen Universität Graz und Helmut Bergler von der Universität Graz hätten dieses mithilfe ihres „Backoffice“ höchst professionell gemeistert. Der ÖGMBT sei es gelungen, sich als Dienstleister für die wissenschaftliche Gemeinschaft zu positionieren. Dank zollte Huber auch den Partnern, Sponsoren und Ausstellern: „Ohne sie wäre die Veranstaltung nicht möglich gewesen.“ Höchst engagiert zum Gelingen des Jahrestreffens beigetragen haben laut Huber auch die Mitglieder der Young Life Scientists Austria (ÖGMBT-YLSA): „Ihr seid unsere Zukunft. Geht gemeinsam mit uns Euren Weg weiter!“


Die beiden Grazer Organisatoren hatten Bedenken, ob es möglich wäre, „so etwas wie Interaktivität über das Netz hinzubekommen“, berichtet Pichler: „Der wissenschaftliche Austausch lebt ja davon, dass Menschen einander sehen, miteinander sprechen. Da liegt auch ein wenig Emotionalität drin.“ Letzten Endes habe das aber gut funktioniert, nicht zuletzt dank der „sehr guten Umsetzung durch das Backoffice“, betont Bergler. Er verweist ferner auf das große Engagement der Chairs der einzelnen Sessions: „Sie haben ein sehr interessantes Programm aufgesetzt.“ Sämtliche Sessions erwiesen sich mit jeweils etwa 50 bis 60 Teilnehmern als sehr gut besucht: „Ich war positiv überrascht.“ Insgesamt verfolgten rund 500 Interes-sierte die Tagung. Großen Anklang, insbesondere unter den jüngeren Teilnehmern, fand die Life Science Career Fair. Dort präsentierten sich Unternehmen, um junges wissenschaftliches Personal zu gewinnen. Break-out-Sessionen mit begrenzter Teilnehmerzahl boten die Möglichkeit zu Gesprächen im kleineren Kreis. Nach der Tagung organisierten Pichler und Bergler eine Feedback-Runde mit den Teil-nehmern und Ausstellern, deren Ergebnisse sie dem Organisator des heurigen Treffens, Hesso Farhan von der Medizinischen Universität Innsbruck, mitteilten.


Hochrangige Keynote-Speaker
Wie Farhan, der Leiter des 15-köpfigen Organisationskomitees, berichtet, sind die Vorbereitungen für das Treffen vom 20. bis 22. September in vollem Gang. Ihm zufolge konnten bereits 20 hochrangige Sprecher gewonnen werden, nicht zuletzt dank des großen Engagements seiner Mit-organisatoren: „Es gibt große Begeisterung. Ich glaube, wir werden ein schönes Meeting haben.“ Das Thema der Tagung lautet „From Molecular machines to translational medicine“. Konkret geht es darum, die Funktionsweise von sogenannten molekularen Maschinen, wie etwa Eiweißmo-lekülen, zu ergründen und deren Rolle in der Biomedizin zu untersuchen. Aller Voraussicht nach wird das Treffen auch heuer online stattfinden. Als Keynote-Speaker konnten Farhan und seine Kollegen drei hoch angesehene Persönlichkeiten gewinnen: Elizabeth Henske, Douglas Hanahan und Bas van Steensel. Henske ist Profes-sorin an der Harvard Medical School und Associate Member des Broad Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Hanahan ist Professor an der École polytechnique fédérale de Lausanne und Leiter des Schweizerischen Instituts für Experimentelle Krebsforschung (ISREC). Van Steensel schließlich leitet eine Forschungsgruppe am Netherlands Cancer Institute in Amsterdam, eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Krebsforschung.


Soziale Medien stärker nutzen
Vorgesehen sind etwas längere Breakout-Sessions als beim vorigen Jahrestreffen. Die Sessions erfreuten sich großer Beliebtheit. Manche Teilnehmer äußerten den Wunsch, diesen mehr Raum zu geben. Farhan kann dem viel abgewinnen: „Wenn die Sessions länger sind, kann man zwei Hauptvorträge abhalten und überdies mehr Studierende einladen, ihre Arbeiten vorzustellen.“ Verstärkt nutzen möchte Farhan die sozialen Medien wie etwa Twitter, um die Jahrestagung noch besser be-kannt zu machen. Gibt es ein Twitter-Hashtag und wird dieses von der „Community“ verwendet, können auch Personen das Treffen mitverfolgen, die keine Gelegenheit zur Teilnahme haben.
Weiterhin geben wird es die Flash-Präsentationen, die beim vorigen Jahrestref-fen bestens ankamen. Farhan zufolge war das „eine geniale Idee. Und was funktioniert hat, muss man beibehalten“. Die Präsentationen bieten vor allem jüngeren Kollegen, etwa Postdocs oder PhD-Studenten, die Möglichkeit, ihre Arbeiten in ansprechender und lebendiger Form zu präsentieren. Wie Farhan erläutert, waren viele der Präsentationen auf eine Weise gestaltet, die die teils hochkomplexen Themen auch für interessierte Laien verständlich macht. Und gerade das sollte ihm zufolge gefördert werden.

Österreich vor den Vorhang
Verstärkt hervorheben möchte Farhan die österreichische Forschung auf den verschiedenen Gebieten, die bei der Tagung behandelt werden. Gerade in dieser Hinsicht ist es laut Farhan von Vorteil, die Veranstaltung digital abzuhalten: „Man hat einfach mehr Zeit und kann die For-schungslandschaft Österreichs besser ab bilden. Man bekommt ein noch besseres Gefühl dafür, was sich auf dem Feld, auf dem man arbeitet, tut. Und vielleicht erfährt man, mit wem man eventuell zusammenarbeiten könnte.“ Der bessere Überblick über die Lage in Österreich sei nicht zuletzt für junge Kollegen am Beginn ihrer Karrieren hilfreich. Und weil mehr Zeit zur Verfügung steht, bekämen diese auch mehr Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse zu zeigen.
Etwas umfassenderer Änderungsbedarf besteht dagegen bei der „Virtual Expo“. Sie wird Farhan zufolge voraussichtlich nicht mehr in der bisherigen Form stattfinden. Die in der „realen“ Welt gegebene Möglichkeit, in den Kaffeepausen zwischen den wissenschaftlichen Sessions die Stände der Aussteller zu besuchen, ließ sich nicht in geeigneter Form „virtualisieren“. Daher überlegen er und seine Mitorganisatoren, die Unternehmen verstärkt in das Vortragsprogramm einzubinden. Beispielsweise könnten Anbieter eingeladen werden, ihre neuesten Produkte und deren Anwendungsmöglichkeiten zu präsentieren: „Wenn das mitten im Programm erfolgt, schaltet ja niemand ab.“

 

Die ÖGMBT präsentiert Personen, die an der Erforschung des SARS-CoV-2-Virus arbeiten. Dorothee von Laer, Professorin am Institut für Virologie des Departments für Hygiene, Mikrobiologie und Public Health der Medizinischen Universität Innsbruck, im Gespräch über die Sequenzierung des Virus   CR: Vor einem Monat traten in Tirol mehrere eigenständige Mutationen der südafrikanischen Variante von SARS-CoV-2 auf. Sind deren Eigenschaften mittlerweile geklärt?Im Wesentlichen ja. Die Tiroler Untervarianten dürften sich genauso wie die Südafrika-Variante selbst verhalten, auch immunologisch. Die Mutation hat also biologisch keine Bedeutung. Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM), der an den Stammbäumen des Coronavirus in Österreich arbeitet, bestätigte, dass es in Tirol nur einen einzigen Eintrag dieses besonderen Typs der Südafrikavariante gab. Dieser tritt im Übrigen nur ganz vereinzelt auf. Auf der gesamten Welt sind sechs Fälle bekannt. Wir haben diesen Typ zufällig erwischt. CR: Wie ist Ihnen das gelungen?Wir machen natürlich Sequenzierungen des gesamten S-Proteins von SARS-CoV-2. Dabei sahen wir, dass sich im S-2-Bereich, also im hinteren Teil des Proteins, eine normalerweise nicht vorhandene Ami-nosäure befindet. In der Folge hat Herr Bergthaler die gesamten Genome nachsequenziert und einen Stammbaum der Tiroler Variante erstellt. Der erste Fall trat am 23. Dezember auf. Von…

Etliche Mitgliedsunternehmen der ÖGMBT sind im Begriff, wichtige Beiträge zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie zu leisten – und das möglicherweise weltweit. Ein Beispiel von vielen zeigt dies.

Im Kampf gegen das SARS­CoV­2­Virus sind auch etliche Mitglieder der ÖGMBT engagiert. Dies betrifft nicht zuletzt die Entwicklung von Tests, zeigt das Beispiel der Lexogen. Sie entwickelte den „ers­ ten marktreifen COVID­19­Test für echtes Massenscreening im öffentlichen Gesund­ heitswesen“. Laut Produktmanager Lukas Paul war die Motivation die im März 2020 manifest gewordene Notwendigkeit, mög­ lichst rasch eine große Anzahl von Proben auf das SARS­CoV­2­Virus zu untersuchen. „Das war für uns die ideale Herausforde­ rung. Wir verfügen über eine Technologie, die vom Ansatz her, aber auch vom Durch­ satz etwas Neues bieten kann“, erläutert Paul. Bis Dezember vergangenen Jahres entwickelte das Unternehmen den neuar­ tigen Test bis zur Marktreife. Dies erfolgte im Rahmen des seinerzeitigen Emergency­ Calls der Bundesregierung, der von der FFG unterstützt wurde.

Laut Paul handelt es sich um einen Gur­ geltest, der auch von Privatpersonen zu Hause leicht und zuverlässig angewandt werden kann. Im kommerziellen Einsatz könnte dies wie folgt funktionieren: Die betreffende Person gurgelt etwa 30 bis 60 Sekunden lang mit einer Salzlösung und transferiert einen Milliliter dieser Probe in ein Röhrchen. Dieses gibt sie bis 10 Uhr vormittags an einer öffentlichen Sammelstelle ab. Von dort aus gelangt die Probe in ein molekularbiologisches Zentralla­
bor, wo ihre Auswertung erfolgt. Am nächsten Tag erhält die Per­son bis etwa 7 Uhr morgens das Ergebnis des Tests und kann in der Folge entsprechende Maßnah­
men setzen. Möglich wäre auch, den von Lexogen entwickelten Test in Gesundheitseinrichtungen einzusetzen, etwa in Senioren- sowie in Pflegeheimen, erläutert Paul. Regelmäßig screenen ließen sich sowohl die Patienten als auch das Per­ sonal. Die Nutzung des Tests bedarf keines großen Aufwands. Ein Unternehmen oder eine sonstige Institution müsse lediglich über die Möglichkeit verfügen, die Gurgel­ tests an die zu untersuchenden Personen zu verteilen und sie wieder einzusammeln. „Bei der Beschaffung der Gurgelsets, die auf dem Markt erhältlich sind, können wir gerne helfen“, betont Paul.

Nahe am „Goldstandard“

Biotechnisch betrachtet, detektiert der Test die virale RNA in der jeweili­ gen Probe. Ähnlich wie bei einem PCR­ Test erfolgt dies mit hoher Sensitivität und Spezifität, versichert Paul: „Deshalb können wir auf Gurgeltests zurückgrei­ fen und brauchen keine Nasenabstri­ che zu machen.“ Die Zuverlässigkeit des Tests liege bei rund 99 Prozent und somit auf dem Niveau der als „Goldstandard“ betrachteten PCR­Tests. Zum Vergleich: Bei den derzeit verfügbaren Antigentests ist stark variierend mit etwa 72 bis 96 Pro­ zent zu rechnen. Die Kosten sind laut Paul durchaus „massentauglich“: „Wir bewe­gen uns weit unter den Kosten für PCR­ Tests, eher auf dem Niveau des Aufwands für Antigentests. Unser Vorteil ist aber die höhere Sensitivität. Außerdem kön­ nen wir im Gegensatz zu den Antigentests auch die Sequenzinformationen liefern.“
Im kommerziellen Einsatz war der Test von Lexogen bis dato noch nicht. Er wurde jedoch bereits an mehr als 5.000 Proben validiert. Überdies erfolgte eine Vergleichsstudie am Vienna Biocenter, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat. Der nächste Schritt ist Paul zufolge nun die behördliche Zertifizierung: „Wie lange diese dauert, kann ich leider nicht sagen.“ Am Campus Vienna Biocenter werden Tests auf SARS­CoV­2 mittlerweile alle drei Tage durchgeführt. Laut Paul ist es auf diese Weise möglich, bereits infi­ zierte, aber noch nicht infektiöse Per­ sonen zu identifizieren und damit die weitere Ausbreitung der Pandemie einzu­ dämmen: „Bei Lexogen hatten wir bisher vier derartige Fälle. Von den Betroffenen wurde niemand mehr angesteckt.“
Die Lexogen sei jedenfalls froh, bei der Bewältigung der Pandemie helfen zu können – und das nicht nur in Öster­ reich: „Wir haben bereits Interessenten aus anderen europäischen Ländern, aber auch aus den USA.“
Außer der Lexogen arbeitet eine Reihe weiterer Mitgliedsunternehmen der ÖGMBT an der Bewältigung der Pande­ mie. Über weitere Beispiele wird der Che­ miereport in den kommenden Ausgaben berichten.

 

 Published in ChemieReport 01/2021

 

 

Kickoff-Event und fünf Life Science Tuesdays sind geschlagen – Zeit für die Organisatoren der in diesem Jahr online abgehaltenen ÖGMBT-Jahrestagung, Zwischenbilanz zu ziehen. Und die fällt überraschend positiv aus.

Harald Pichler und Helmut Bergler, die beiden Organisatoren der dies-jährigen ÖGMBT-Jahrestagung sind geradezu überschwenglich, wenn sie über ihre bisherigen Erfahrungen mit der erstmals digital abgehaltenen Konferenz er-zählen: „Wir sind unglaublich positiv überrascht.“ Bergler verhehlt nicht, dass bei ihm ein gehöriges Maß an Skepsis vorhanden war, als man sich im Frühling entschloss, aufgrund der schlechten Planbarkeit einer Präsenzveranstaltung im Herbst auf ein solches Format umzuschwenken. Die Idee war die: Ein digitales Kickoff-Event von 21. bis 23. September sollte durch sogenannte „Life Science Tuesdays“ ergänzt werden, die im Zwei-Wochen-Abstand bis Ende März zwölf spezielle Themenkreise in eigenen interaktiven Nachmittagen behandeln. Lediglich die Verleihung der traditionel-len ÖGMBT-Awards fand in kleinem Kreis unter Anwesenheit von Preisträgern und Sponsoren statt, das Video wurde live und on-demand in die Breite „gesendet“.
Nun, nach einem erfolgreich abgehaltenen Kickoff-Event und mittlerweile fünf Life Science Tuesdays (zu Lipiden und Metabolismus, RNA-Biologie, Struktur und Funktion, Organellen und Transport sowie Mikrobiom-Innovationen), herrscht große Freude unter den beiden in Graz tätigen Forschern, wie gut das digitale Format funktioniert: „Das Niveau der Vorträge und Diskussionen ist hervorragend“, so Bergler.
Natürlich konnte man die zwischenmenschliche Begegnung nicht 1: 1 ersetzen – doch die vom Backoffice-Team eingerichteten Breakout Rooms haben doch etwas von den Kommunikationsformen einer Kaffeepause in die digitale Welt übertragen. Es gibt zwei Arten solcher Breakout Rooms: Direkt nach einer Fragerunde, die sich einem bestimmten Vortrag anschließt, kann man im kleinen virtuellen Kreis noch einige Fragen vertiefen. Ähnliches gibt es nach den sogenannten „Science Flashes“, der digitalen Alternative zur Poster Session, in der junge Forscher aufgerufen sind, ihre Arbeit in kreativen Videos darzustellen. Ein „Mixer“ genanntes Breakout-Format ahmt hingegen jene Kontakte nach, die man während des Anstellens beim Buffet haben würde: Hier wird man zufällig mit einer kleinen Gruppe von Leuten zusammengewürfelt und knüpft Gesprächsfäden an.

 Lob an alle Beteiligten
„Man muss besonders die Leistung der Chairs hervorheben. So ein Format funktioniert nur, wenn es von den Sitzungsleitern mitgetragen wird“, hebt Pichler hervor. Aber auch das Backoffice habe in Administration und technischem Support eine Meisterleistung vollbracht. „Die gründliche Vorbereitung der Online-Sessions bedeutet wesentlich mehr Aufwand für alle Beteilig-ten“, stellt Bergler fest. Mehrere Tage vor jeder Sitzung loggen sich die Vorsitzenden, alle Sprecher und Vertreter des Organisationsteams ein, prüfen Bild- und Tonverbin-dungen, legen eine Choreographie für den Ablauf fest.
ÖGMBT-Präsident Lukas Huber, Professor für Zellbiologie an der Medizini-schen Universität Innsbruck, war einer von denen, die zu dem Schritt ermuntert haben: „Die meisten von uns hatten Berührungs-ängste gegenüber einem digitalen Tagungs-format. Aber ich hatte im ersten Lockdown schon Erfahrungen mit Online-Gruppen-meetings und -Lehrveranstaltungen gesammelt und dazu geraten, es auf diese Weise zu versuchen.“ – „Die ÖGMBT sieht dies auch als eine Form des Krisenmanagements, mit dem wir zeigen wollen: Wir bieten der Life Science Community auch in diesen Zeiten eine Plattform an, über die man miteinander in Kontakt bleibt“, ergänzt Andrea Bauer, die die Geschäftsstelle der ÖGMBT interimistisch leitet. Skeptischer war Huber anfangs bezüg-lich der über einen so langen Zeitraum gezogenen Tuesdays: „Meine Befürchtung war, das verliert sich.“ Auch die Organisatoren Pichler und Bergler gingen mit gedämpftem Optimismus heran: „Wir haben mit rund 20 Teilnehmern pro Tuesday gerechnet, es zeigt sich aber, dass alle zwei Wochen 60 bis 70 Personen teilnehmen“, so Bergler.


Europäische Vorreiterrolle
Der Modus, den man in diesem Jahr gewählt hat, hat auch ein Problem entschärft, das die Planung bisheriger ÖGMBT-Jahrestagungen immer wieder vor Schwierigkeiten gestellt hat: „Unsere Idee war ja immer, möglichst alle Disziplinen und Forschungsfelder der Biowissen-schaften zu Wort kommen zu lassen. Das war innerhalb weniger Tage nicht immer leicht“, reflektiert Huber. Nicht selten fühlten sich Vertreter eines bestimmten Forschungsgebiets nur schlecht repräsentiert und beschlossen, nicht eigens an den Tagungsort anzureisen. Nun habe jede Community ihren eigenen Dienstag. Das digitale Medium ermöglicht aber auch die Überwindung von Grenzen, die sich sonst nur schwer überschreiten lassen. Das zeigt etwa das hohe Ausmaß an Internationalität der Teilnehmer an den Tuesdays. „Wir haben auch viele hervorragende Beiträge von Auslandsösterreichern, die Karrieren in anderen europäischen Ländern oder Nordamerika gemacht haben“, so Pichler. Sehr angetan sind die Organisatoren auch von einigen besonders einfallsreichen „Science Flashes“, wo mit Visualisierungen und Animationen nicht gegeizt wurde. Die besten sollen im März, nach Abschluss der Tuesday-Serie prämiert werden.
Mit der Übersetzung der Jahrestagung in ein Online-Format war man auch international Vorreiter unter den wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Das hat die Aufmerksamkeit der europäischen Dachverbände FEBS und FEMS erregt, die zum ersten Mal einen Online-Kongress mit Sponsorgeldern unterstützt haben. „Die FEBS hat sich gefreut, die ÖGMBT-Jahrestagung als einmalige Geste zu sponsern, um einfallsreiche Formen des wissenschaftlichen Austauschs unter ihren Mit gliedsorganisationen in der schwierigen Zeit der COVID-19-Pandemie zu unterstüt-zen“, hieß es vonseiten der Organisation. Man halte diese Initiative für ein gutes Beispiel für andere wissenschaftlichen Gesellschaften, die virtuelle Tagungen abhalten wollen.


Ausstellung und Karrieremesse im Online-Format
Noch ausbaufähig ist nach Meinung der meisten Beteiligten der Ausstellungssteil. Im Rahmen einer „Virtual Expo“ konnten Firmen auf einem realistisch designten virtuellen Messestand sich und ihre Produkte präsentieren. Das bot die Möglichkeit, langjährige Beziehungen zu Ausstelllern auch diesmal nicht abreißen zu lassen: „Da ich schon bei einigen ÖGMBT-Jahrestagungen als Ausstellern mitgewirkt habe, war ich auch dieses Jahr wieder dabei“, sagt dazu Rainer Hallama, Account Manager bei Twist Bioscience: „Das  virtuelle Format war zwar gewöhnungsbedürftig und hatte Kinderkrankheiten, aber ich finde es positiv, dass die ÖGMBT auch heuer wieder etwas auf die Beine gestellt hat, aktiv Feedback einholt und stets intensiv an der Weiterentwicklung der Tagung arbeitet.“ Es habe einige Kundenkontakte gegeben, bewerten könne man die Teilnahme aber erst, wenn alle Life Science Tuesdays vorüber sind. „In jedem Fall freue ich mich am meisten, unsere Partner wieder im realen Leben zu treffen“, so Hallama. „Für die kommenden Jahre werden wir noch stärker an der thematischen Vernetzung von Vortragsprogramm und Ausstellung arbeiten“, stellt Bauer in Aussicht. Gut funktioniert haben hingegen die „Life Science Career Fair“ und die dazu passenden Online-Events der ÖGMBT-„Jungforscher“-Organisation YLSA, bei denen zukünftige Arbeitgeber nach Talenten Ausschau hielten – und umgekehrt.
Aus den diesjährigen Erfahrungen hat die ÖGMBT ohne Zweifel auch für kommende Jahrestagungen gelernt. Die Pla-nung für 2021 ist dennoch mit einem großen Unsicherheitsfaktor behaftet: „Wir haben die Räume am Innsbrucker Centrum für Chemie und Biomedizin reserviert. Ich bin aber eher skeptisch, dass es schon kommendes Jahr wieder eine Präsenztagung geben wird“, so Huber.