Das Tal der Pflanzen

Monday, 11 February 2019 16:35

In Tirol hat sich rund um die Aktivitäten des ADSI ein pflanzen-wissenschaftlicher Forschungsschwerpunkt herausgebildet, der nun unter der Marke „Phytovalley“ firmiert.

 Es ist wohl nicht in erster Linie der hohen Diversität an Pflanzenarten zu verdanken, die Tirol mit seiner Lage inmitten der Alpen beherbergt, dass hier in den vergangenen Jahren ein wissenschaftlicher Schwerpunkt zum Thema Pflanzeninhaltsstoffe entstanden ist. Dies hat vielmehr mit der Kompetenz auf den Gebieten Analytische Chemie, Zellbiologie und Bioinformatik zu tun, die in Innsbruck seit langem aufge-baut wurde. Michael Popp, Eigentümer von Bionorica, einem der führenden Hersteller pflanzlicher Arzneimittel, war dieses Profil seit langem bekannt, hatte er doch selbst an der Uni Innsbruck in Analytischer Chemie promoviert. 2005 siedelte er die For-schungstochter Bionorica Research GmbH hier an, um die Wirkung pflanzlicher Arzneimittel wissenschaftlich zu beforschen und hat seither ein GLP-konformes Phytoscreening für die Arzneimittelentwicklung aufgebaut.
Als 2012 das ADSI (Austrian Drug Screening Institute) gegründet wurde, war Bionorica von Anfang an als Unternehmenspartner mit dabei. „Das ADSI ist in der Beschäftigung mit natürlich vorkommenden Verbindungen das Bindeglied zwischen Grundlagenforschungsinstitutionen und Industriebetrieben“, sagt dazu Günther Bonn, wissenschaftlicher Leiter des ADSI und Professor für Analytische Chemie an der Uni Innsbruck. Das Institut verbindet Kapazitäten auf mehreren Fachgebieten miteinander: In der Analytischen Abteilung versteht man sich auf chromatographi-sche Trennmethoden, Massenspektrometrie sowie IR- und Ramanspektroskopie. Hier können Pflanzenextrakte schnell und systematisch nach wirksamen Substanzen durchsucht werden. Im Bereich der Zellbiologie ist man auf Screening-Methoden spezialisiert, die die Wirkung chemischer Verbindungen auf Signaltransduktionswege, Zell-Zell-Wechselwirkungen und Immunmodulation testen. Auf diesem Gebiet profitiert man vom Know-how der Zellbiologie-Abteilung der Medizinischen Universität Innsbruck, die von ADSI-Mitgründer Lukas Huber geleitet wird. Die Bioinformatik-Abteilung schließlich kombiniert die analytisch-chemischen und die biologischen Daten und führt sie in Datenbanken zusammen. Ergänzt wird das methodische Portfolio durch ent-sprechendes Know-how auf dem Gebiet der Extraktion und Fraktionierung bioaktiver Substanzen. Huber, der derzeit ÖGMBT-Prä-sident ist, kann auf eine langjährige Firmenmitgliedschaft des ADSI in der ÖGMBT verweisen. „Es wird immer wichtiger, unter-schiedliche Forschungsdisziplinen miteinander zu vernetzen, und auch eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und der Industrie zu bauen. Genau hier spielt die ÖGMBT eine wichtige Rolle - durch ihre ausgedehnte Community bietet die ÖGMBT den For-schern, egal ob jung oder erfahren, die perfekte Vernetzungsplatform um vielfachen Austausch zu ermöglichen“, so Huber.


Phytopharmakologie, Phytokosmetik, Phytoernährung


Mit diesem Rüstzeug hat sich das ADSI in den vergangenen Jahren zur Drehscheibe der Phytochemie entwickelt. „Pflanzenforschung ist der Schwerpunkt unserer Aktivitäten geworden“, sagt Bonn. Gemeinsam mit Bionorica wird pflanzliches Material extrahiert, die enthaltenen Verbindungen werden analysiert und hinsichtlich ihrer biologischen Wirkungen (z. B. im Hin-blick auf metabolisches Syndrom oder entzündliche Erkrankungen) charakterisiert. Darüber hinaus konnten aber auch weitere Unternehmen als Partner gewonnen werden. Auf dem Gebiet der Phytokosmetik arbeitet man mit dem Schweizer Naturkosmetik-Unternehmen Weleda und der in Innsbruck beheimateten Firma Cura Cosmetics zusammen. In diesem Arbeitsbereich geht es darum, die Wirkung kosmetischer Produkte auf die Haut wissenschaftlich zu verstehen. Dazu werden einerseits metabolische Veränderungen und Sekrete mit der am ADSI vorhandenen LCMS-Technologie und andererseits die vielfältigen zellbiologischen Wirkungen (metabolische Aktvierung, pH-Regulierung, Zellregeneration …) untersucht. „Lukas Huber und seine Mitarbeiter haben eigene Hautmodelle entwickelt, die hier zur Anwendung kommen“, erzählt Bonn.
Ein drittes Feld hat man auf dem Gebiet der pflanzlichen Ernährung eröffnet. Gemeinsam mit einem österreichischen Energy-Drink-Anbieter werden z. B. die Inhaltsstoffe der zum Einsatz kommenden Pflanzextrakte untersucht. „Die Forschungsarbeiten auf allen drei Gebieten dienen der Eta-blierung von Qualitätsstandards und der Entwicklung von Produkten, die Wirksamkeit und Produktsicherheit optimal mit-einander verbinden“, so Bonn.
Eine neue Marke
Um all das unter einem griffigen Begriff zusammenzufassen, haben sich die Innsbrucker Forscher um Bonn die Marke „Phyto-valley“ schützen lassen. Das Label soll zum Ausdruck bringen, dass man im Inntal die Kompetenzen von Forschung und Unternehmen miteinander verbindet. Mit der räumlichen und organisatorischen Nähe zu den Innsbrucker Uni-Kliniken steht auch die Infrastruktur für klinische Anwendungen zur Verfügung. Dazu Bonn: „Durch die hohe Kompetenz am Standort profitieren Universitäten, Fachhochschulen und ortsansässige Firmen, überdies hat dies den Anreiz gesetzt, dass neue Firmen nach Österreich kommen, wodurch über 130 neue Arbeitsplätze langfristig innerhalb kurzer Zeit geschaffen werden konnten.“
Neben der Finanzierung der pflanzenwissenschaftlichen Aktivitäten durch Bund und Land Tirol, steuern die Partnerunternehmen daher einen immer größeren Anteil bei. Bionorica allein hat bisher bereits mehr als 30 Millionen Euro in den Stand-ort Innsbruck investiert, vergangenes Jahr hat Firmeninhaber Michael Popp beschlossen, die Stärke des Forschungsstandorts auf dem Gebiet der Phytowissenschaften zusätzlich mit seiner privaten Stiftung zu nutzen und ein eigenes Forschungsinstitut zu gründen und vollständig zu finanzieren („Michael Popp Forschungsinstitut“). Gemeinsam mit der Uni Innsbruck wurden zwei Stiftungsprofessuren ausgeschrieben. „Das stärkt die Situation des Standorts enorm“, meint dazu Bonn.
Die internationale Sichtbarkeit der phytowissenschaftlichen Aktivitäten in Tirol wurde auch durch die von 13. bis 15. Jänner bereits zum zweiten Mal stattfindenden „Austrian Summit on Natural Products“ erhöht. Das Symposium brachte internationale Exper-ten auf dem Gebiet der bioaktiven Substanzen  und ihrer Anwen-dung in Pharmazie und Phytokosmetik nach Seefeld in Tirol.

Original Kolumne 01/2019

450 Teilnehmer kamen von 17. bis 20. September zur ÖGMBT Jahrestagung nach Wien. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Gesellschaft war diese heuer mit 21 Sessions besonders breit angelegt.

Die ÖGMBT Jahrestagung 2018 war nicht eine wie jede andere. Die Ge-sellschaft, die unter ihrem Dach Biowissenschaftler aller Disziplinen ver-sammelt, feierte ihr zehnjähriges Beste-hen. „Die Jubiläumskonferenz war etwas ganz Besonderes und wurde gegenüber den vorherigen Tagungen auch um ei-nen Tag verlängert. Dadurch konnten wir ein Programm gestalten, das die öster-reichische Life-Science-Szene sehr schön darstellte“, meint Michael Sauer, Vorsit-zender des Organisationskomitees und ÖGMBT-Zweigstellenleiter Ost. „Die Session Chairs kamen aus ganz Österreich – es wurde auf eine breite geografische und thematische Verteilung Wert gelegt – und von sehr vielen verschiedenen Institutio-nen, um die Vielfältigkeit der österreichi-schen Szene sichtbar zu machen“, sagt Sauer. Mehrere von der Industrie organi-sierte Vortragsstränge unterstrichen die enge Kooperation von Biotech-Unterneh-men und akademischer Forschung. Auch die „Biophysics Austria“ hielt, wie bereits in den vergangenen Jahren, ihr Jahres-treffen im Rahmen der Tagung ab.
Ein Highlight des Programms war der Vortrag von Joshua Rosenthal vom Marine Biological Laboratory in Massachusetts über RNA-Editing in Kopffüßern, die sich durch hohe Intelligenz und Werkzeug-gebrauch auszeichnen. „Rosenthal spe-kulierte über einen Zusammenhang zwi-schen intelligentem Verhalten und dem besonders auffälligen RNA-Editing in die-sen Tieren. Beim RNA-Editing wird die bereits hergestellte mRNA nachträglich verändert, die Sequenz entspricht also nicht derjenigen, die eigentlich im Gen codiert war“, erzählt Sauer. Gleich zwei Vortragsstränge beschäftigten sich mit antimikrobiell wirkenden Verbindungen. „Die Resistenz vieler Keime gegen Antibio-tika ist eine der größten Herausforderun-gen, der sich unsere Gesellschaft stellen muss“, streicht Sauer die hohe Bedeutung der Thematik hervor. Insgesamt lud das wissenschaftliche Komitee 35 internati-onal renommierte Vortragende ein und wählte 86 Short Talks aus allen einge-reichten Abstracts aus.


Publikumsvoting und Geburtstagsparty

Die Kür der besten Vorträge jun-ger Wissenschaftler wurde heuer erstmals per Publikumsvoting am letzten Tag ermittelt. „Vorträge zu vergleichen ist immer schwierig, es gibt ja parallele Sessions, sodass man gar nicht alle Vor-träge hören kann. Mit einer Jury ist das daher schwierig zu lösen“, meint Sauer dazu. Das Publikum machte begeistert mit, es kam zu einem spannenden Ren-nen – mit schlussendlich vier Siegern, da zwei Kandidaten es aequo auf einem Platz lagen. „Sponsor Hermann Katinger von Polymun Scientific hat sich sofort bereit erklärt, auch diesen Preis zu finanzie-ren“, berichtet Sauer. Benjamin Bayer, Noa Wolff, Magdalena Schneider und Dominik Jeschek wurden ausgezeichnet. „Unsere Jahrestagung in Wien hat wieder sehr eindrucksvoll belegt, wie viel Poten-zial von jungen Wissenschaftlern unseres Landes in der ÖGMBT gebündelt wird. Die Vorträge der Preisträger und Teilnehmer sowie die Postersession waren heuer wie-der von besonderer Qualität“, meint der frischgewählte ÖGMBT-Präsident Lukas Huber.
Die wissenschaftlichen Vorträge waren auch in diesem Jahr in ein umfangreiches Rahmenprogramm eingebettet. Die Teil-nehmer konnten Berührungspunkte von Wissenschaft und Kunst kennenlernen, dazu auch eigene Kunstwerke präsentie-ren, an Unternehmensworkshops teilneh-men oder (in Zusammenarbeit mit Life Science Karriere-Service) ihren CV bewer-bungstauglich machen lassen. Die ÖGMBT Young Life Scientists Austria  organisierte eine „Career Session", bei der unterschied-liche Berufsfelder beleuchtet wurden. Und schließlich wurde bei „Wine & Science“ (ausgerichtet von den 35 Ausstellern) und der „10 Jahre ÖGMBT“-Party auch ausgie-big „genetzwerkt“ und gefeiert.

 

Original Kolumne 8/2018

Wissenschaft auf großer Bühne

Monday, 26 November 2018 11:05

Im Rahmen der ÖGMBT-Jahrestagung wurden wieder Preise für hervorragende Forschungsleistungen vergeben. Das Spektrum reicht von der molekularen Grundlagenforschung bis zur Produktionsoptimierung in der Biotechnologie.

Alljährlich werden im Rahmen der ÖGMBT-Jahrestagung Auszeichnungen für hervorragende Forschungsleistun-gen vergeben, um auf diese Weise die österreichischen Biowissenschaften auf eine größere Bühne zu heben. In den zehn Jahren ihres Bestehens hat die ÖGMBT 23 Dissertations-und 21 Forschungspreise verliehen. Viele der Preisträger konn-ten inzwischen national und international Karriere machen. Wie schon im vergangenen Jahr wurden die Forschungspreise (Life Science Research Award Austria), jeweils mit 3.000 Euro dotiert, vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirt-schaftsstandort (BDW) gestiftet.
Dass biochemische Regulationsmechanismen für die Grundlagenforschung ebenso bedeutend sind wie für anwendungsorientierte Fragen, zeigte der Umstand, dass zwei von drei dieser Forschungspreise heuer diesem Themenkreis zugeordnet werden können. Die Regulation der Genexpression wird im Allgemeinen durch das Zusammenwirken mehrerer DNA-Abschnitte bewirkt: Einerseits binden Promotoren, die Teil eines Gens sind, selbst aber nicht in RNA transkribiert werden, an spezielle Proteine (Transkriptionsfaktoren) und bewirken dadurch, dass die Expression des Gens beginnt. Andererseits gibt es sogenannte Enhancer, die weiter vom Gen entfernt liegen, aber dennoch die Anlagerung eines Transkriptionsfaktors an den Promoter beeinflussen und so die Transkriptionsaktivität verstärken. Mit derartigen  Mechanismen hat sich Cosmas Arnold, Forscher am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien beschäftigt, der beim diesjährigen Life Science Research Award in der Kategorie „Grundlagenforschung“ reüssieren konnte. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Forschungsgruppe von Alexander Stark hat Arnold eine Methode entwickelt, mit der bestimmt werden kann, wie stark Zielgene auf derartige Enhancer reagieren. „Die Verwendung der Methode wird dazu beitragen, unser Verständnis der Regulation von Genen stark zu verbessern“, begründete Juryvorsitzender Joachim Seipelt die Preisvergabe an den For-scher.


Wie wirken Krebsgene?


Ebenfalls am IMP ist Matthias Muhar tätig, der sich in der Arbeitsgruppe von Johannes Zuber mit den Regulationsmechanismen in Krebsmodellen beschäftigt. Er betrachtete Transkriptionsregulatoren wie BRD4 und MYC, von denen gefunden wurde, dass sie eine wichtige Rolle bei der Entstehung verschiedener Krebsformen beim Menschen spielen. Durch die Kom-bination von SLAM-seq (einem Hochdurchsatz-Verfahren zur Analyse von neu synthetisierter Messenger-RNA) mit der pharmakologischen Störung der Regulationsprozesse gelang es ihm, die Funktion dieser Proteine als Regulationsdrehscheiben auf-zuklären. „Seine in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science veröffentlichte Arbeit zeigt eindrucksvoll auf, wie mittels funktioneller Genomik jene Faktoren identifiziert wer-den können, die das Entstehen von verschiedenen Formen von Krebs bestimmen“, meinte dazu Lukas Mach, der Vorsitzende der Jury für die Vergabe in der Kategorie „Anwendungsorien-tierte Forschung“.
„Das von Stefan Ameres und seinem Team an unserem Nachbarinstitut IMBA entwickelte SLAM-seq-Verfahren lieferte letztlich ein entscheidendes Puzzlestück dazu, um die Rolle prominenter Krebsgene wie MYC aufzuklären. Dieser rege und freie Austausch von Ideen und Technologien am Vienna Biocenter war ganz essenziell für unser Projekt und ist eine der großen Stärken des Campus“, sagt Muhar selbst zu den Erfolgsfaktoren seiner Arbeit. Die Auszeichnung empfindet der Forscher als große Ehre. Sie habe geholfen, seine Arbeit über die Grenzen des Fachgebiets bekannt zu machen: „Es haben uns auch mittlerweile Forscher aus verschiedensten Richtungen kontaktiert, um unseren Ansatz auf ihre jeweiligen Fragestellungen anzuwenden, wodurch bereits viele spannende Kollaborationen entstanden sind.“


Glykosylierungsmuster aufgeklärt


Erstmals vergeben wurde ein Sonderpreis in der Kategorie „Excellence & Societal Impact“ für wissenschaftlich heraus-ragende Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz. Prämiert wurde damit eine Arbeit von Therese Wohlschlager, die sich an der Universität Salzburg mit der Kontrolle der Glykosylierung von Biopharmazeutika im biotechnologischen Herstellungsprozess beschäftigt hat. Gemeinsam mit Kollegen aus der Arbeits-gruppe von Christian Huber entwickelte sie eine in „Nature Communications“ veröffentlichte Methode, die mithilfe hochaufgelöster Massenspektrometrie Heterogenitäten im Glykosylierungsmuster eines therapeutischen Fusionsproteins detektieren kann. Juror Lukas Mach: „Damit hat Wohlschlager wesentlich zur verbesserten Herstellung von Medikamenten beigetragen, die bei der Behandlung von Krebs und verschiedenen Entzündungserkrankungen Verwendung finden.“
„Unser Ziel war es, das Glykosylierungsmuster des hochkomplexen therapeutischen Proteins Etanercept darzustellen. Dies erforderte eine multidisziplinäre Herangehensweise“, beschreibt Wohlschlager die Herausforderung, die sich bei ihrer Arbeit stellte. Um zu den nun prämierten Ergebnissen zu gelangen, musste Expertise in den Bereichen Protein-Glykosylierung, analytische Chemie und Bioinformatik zusammengebracht wer-den. Nicht zuletzt sei aber auch die enge Zusammenarbeit mit zwei Industriepartnern ausschlaggebend gewesen: „Die Fragestellung geht auf das Pharmaunternehmen Novartis zurück, von welchem auch die untersuchten Proben zur Verfügung gestellt wurden. Das Technologieunternehmen Thermo Fisher Scientific ermöglichte den Zugang zu den benötigten analytischen Instrumenten“, so Wohlschlager.
Auch für die Salzburger Forscherin stellt der Preis eine große Auszeichnung dar. „Das ist der Lohn dafür, ein herausforderndes Forschungsprojekt zu Ende gebracht zu haben. Darüber hinaus verleiht er unserer wissenschaftlichen Arbeit Sichtbarkeit, sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit. Dies ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt für meinen weiteren Karriereweg“, meint Wohlschlager.
Ebenfalls vergeben wurden zwei Dissertationspreise (Life Science PhD Awards Austria): In der Kategorie „Grundlagenforschung“ (Sponsor Polymun Scientific) ging dieser an Dora Tarlungeanu vom IST Austria für die Aufklärung eines neurologischen Syndroms, das durch eine Mutation eines Aminosäuretransporters verursacht wird, in der Kategorie „Anwendungsorientierte Forschung“  (Sponsor THP Medical Products) an Somanath Kallolimath von der Universität für Bodenkultur Wien für die Produktion humaner Polysialinsäuren in Pflanzenzellen.

Original Kolumne 7/2018

ÖGMBT feiert zehnjähriges Bestehen

Monday, 26 November 2018 10:45

Mit einem Festakt am 17. September beging die ÖGMBT das zehnjährige Jubiläum ihrer Gründung – zehn Jahre, in der sie sich als die Plattform der österreichischen Life Sciences positionieren konnte.

Zehn Jahre ist es nun her, dass die Forschungs-Community in Öster-eich einen weitreichenden Schritt setzte. Die bis dahin bestehenden wissen-schaftlichen Gesellschaften für Biochemie und Molekularbiologie (ÖGBM), Genetik und Gentechnik (ÖGGGT) sowie für Biotechnologie (ÖGBT) schlossen sich zur Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) zusammen und vereinigten damit das gesamte biowissenschaftliche Spektrum unter einem Dach. Damit trug man einerseits der Entwicklung Rechnung, dass Wissenschaftsdisziplinen wie Biochemie, Genetik oder Biotechnologie heute keine abgegrenzten Gebiete mehr sind, sondern sich methodisch und inhaltlich stark gegenseitig durchdringen. Zum anderen ging es darum, durch die Bündelung der Gesellschaften eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Anliegen der Lebenswissenschaften zu erreichen und mit gemeinsamer Stimme zu sprechen. „Wir wollen die Organisation straffen und noch schneller auf aktuelle Ereignisse reagieren“, sagte Josef Glößl, schon damals Präsident der ÖGGGT und bis vor kurzem Vizepräsident der ÖGMBT, anlässlich der Gründung. Damit entstand eine Bandbreite („von der Laborbank bis hin zum 10.000 Liter-Fermenter“, wie es 2008 in einer Aussendung hieß), die die Forschung an Universitäten und Forschungseinrichtungen mit Biotech- und Pharma- Unternehmen sowie weiteren Stakeholdern in den Lebenswissenschaften verknüpfte. Heute ist die Gesellschaft mit rund 1.200 persönlichen Mitgliedern, 60 Firmenmitgliedern und acht institutionellen Mitgliedern die größte wissenschaftliche Vereinigung in den Life Sciences und der Biotechnologie in Österreich. „Die Kooperation mit der ÖGMBT ist für uns sehr wichtig, weil sie uns ein gutes Netzwerk sowohl im akademischen als auch im industriellen Bereich bietet. Darüber hinaus stellt sie eine hervorragende Möglichkeit dar,  ‚Young High Potentials‘ zu gewinnen, die uns als attraktiven Arbeitgeber kennenlernen“, sagt etwa Eva Binder, Senior Vice President Research & Development bei der Erber Group AG.

 

ÖGMBT goes professional, public & international


Im Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Gesellschaften wurde die ÖGMBT von Beginn an professionell mit Hilfe einer hauptamtlich tätigen Geschäftsführung in Wien aufgebaut, die die Aktivitäten Österreichweit koordiniert und als zentraler Kontaktpunkt fungiert. Der Verein verfügt über vier Zweigstellen in den Bundesländern, die für die Umsetzung regionaler Aktivitäten verantwortlich sind. „Durch diese Struktur ist es rasch gelungen, Vertrauen bei den Mitgliedern und Stakeholdern zu schaffen, das Team weiter auszubauen und eine stabile wirtschaftliche Basis des Vereine zu sichern“, ist ÖGMBT-Geschäftsführerin Alexandra überzeugt. Ein wichtiges Anliegen der ÖGMBT ist die Stärkung der Wissenschafts-kommunikation. So wurde zusammen mit anderen Partnern der Verein „Open Science – Lebenswissenschaften im Dialog“ (vormals „Dialog Gentech-nik“) gegründet, der auch das Vienna Open Lab, ein molekularbiologisches Mitmachlabor, betreibt. Seit 2012 ermöglicht eine Medienkooperation mit dem Fachmagazin Chemiereport/Austrian Life Sciences, dass die ÖGMBT mit einer eigenen Kolumne als Sprachrohr der Biowissenschaften sichtbar wird und ihre forschungspolitische Stimme zu relevanten Themen erhebt. Spitzenforschung ist heute ohne internationale Vernetzung nicht mehr denkbar. Auch die ÖGMBT ist  daher international ausgerichtet, um Sichtbarkeit und grenzübergreifende Kooperationen zu ermöglichen. „Das beginnt damit, dass wir die ÖGMBT-Jahrestagung internationale aufsetzen, wir sind aber auch Mitglied in internationalen Vereinigungen wie EFB (European Federation of Biotechnology), FEMS (Vereinigung der Europäischen Mikrobiologischen Gesellschaften) oder FEBS (Vereinigung der E u r o p ä i s c h e n  B i o c h e m i schen Gesellschaften)“, sagt dazu ÖGMBT-Vizepräsidentin Angela Sessitsch: „Hier bringen wir uns inhaltlich und strategisch ein und vermitteln unsere Mitglieder in internationale Gremien.“ Zudem erhalten die österreichischen Forscher Zugang zu attraktiven Stipendien oder Fortbildungsveranstaltungen wie den „Advanced Courses“. „Wir haben in den vergangenen Jahren aber auch damit begonnen, gemeinsam mit unseren Mitgliedern, internationale wissenschaftliche Konferenzen zu organisieren, etwa das Internationale FusariumSymposium oder die Konferenzserie „Microbe-assisted Crop Production“, berichtet Sessitsch

 

Nachwuchsförderung als zentrales Anliegen


Eine der wichtigsten Missionen der ÖGMBT ist die Unterstützung und Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs, beispielsweise durch die Vergabe von Reisekostenzuschüssen oder durch die Verleihung von prestigeträchtigen und attraktiv dotierten Preisen wie den Life Science Research und PhD Awards Austria. Um den Bedürfnissen junger Wissenschaftler noch mehr Rechnung zu tra-gen und diese in die Strategieentwicklung der Gesellschaft  einzubinden, wurde 2016 die YLSA (Young Life Scientists Austria) gegründet. Dazu YLSA-Vorsitzender Jonas Ramoni, Projektmanager bei Ares Genetics: „Für mich stellt die YLSA  eine partizipative Plattform dar, über die Studenten und Jungabsolventinnen der Life Sciences unabhängig von Universitäts-, Fachhochschul oder Studiengangszugehörigkeit eigeninitiativ Projekte umsetzen und besuchen können. Die finanzi-elle und organisatorische Unterstützung durch die ÖGMBT und deren breites Netzwerk haben mir bei der Gründung der YLSA und der erfolgreichen Umsetzung meiner Projekte stets sehr geholfen."
Auf der Basis der bisherigen Arbeit will sich die ÖGMBT auch in Zukunft aktiv für die Weiterentwicklung des Forschungsstandorts Österreich einsetzen. Lukas Huber, frischgewählter Präsident der Gesellschaft, richtet einen entsprechenden Appell an die Mitglieder: „Unser Jubiläum ist der geeignete Anlass zu reflektieren, was wir alles erreicht haben und was nicht, aber auch unseren Blick geschärft nach vorne zu richten. Sie alle, ob junge oder gestandene Mitglieder, sind die Basis auf der Österreichs molekulare Biowissenschaf-ten und die Biotechnologie ruhen. Helfen Sie uns, diese Gemeinschaft zu stärken. Ich
lade Sie ganz herzlich ein, aktiv in der ÖGMBT mitzugestalten. Füllen Sie unsere Gesellschaft mit Leben, mit Ihren Ideen und Ihren ganz persönlichen Visionen für eine gute und gesicherte Zukunft der For-schung in Österreich. Ad multos annos!“

Original Kolumne 6/2018

Was wurde aus der Life-Sciences-Strategie?

Thursday, 22 November 2018 11:15

In der 2016 vorgestellten Life-Sciences-Strategie sind zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts mit einem Umsetzungshorizont bis 2021 vorgesehen. Manches davon ist mittlerweile umgesetzt, manches im Aufbau, manches wird erst vorbereitet.

 

Am 23. November 2016 präsentierte der damalige Staats-sekretär Harald Mahrer im damaligen BMWFW unter großer Beachtung der informierten Kreise die „Zukunftsstrategie Life Sciences und Pharmastandort Österreich“ (im Folgenden kurz „Life-Sciences-Strategie“). Zahlreiche Vertreter aus Wissenschaft  und Wirtschaft hatten aktiv am Entstehungs-prozess des Papiers mitgewirkt. Es enthielt manches bereits be-kannte, manche eher allgemein gehaltene Absichtserklärung, aber auch etliche sehr konkrete Vorhaben. Mittlerweile sind Wissenschaft und Wirtschaft wieder in unterschiedlichen Ressorts einer neuen Bunderegierung untergebracht, und viele fragen sich, wie weit die Umsetzung der Strategie mittlerweile gediehen ist. ÖGMBT und Chemiereport haben diesbezüglich nachgefragt.
Im Aufgabenbereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) liegt es beispielsweise, Schlüsse aus der Analyse des bestehenden biowissenschaft-lichen Studienangebots zu ziehen, die im Zuge des Prozesses „Zukunft Hochschule“ durchgeführt wurde: „Eine Maßnahme der Universitäten betrifft den weiteren Ausbau der Kooperatio-nen im Studienbereich, konkret etwa die gegenseitige Anrech-nung von Modulen in Masterstudien im Life-Sciences-Bereich“, heißt es dazu vonseiten des BMBWF.
Bereits seit 2016 ist die Forschungsinfrastruktur-Datenbank zugänglich, die die Möglichkeit bietet, wissenschaftliche Großge-räte für neue Kooperationsprojekte zu finden oder anzubieten. „Nach zwei Jahren des weiteren Aufbaus verfügt die öffentliche Datenbank bereits über 1.250 kooperationsfähige Forschungsin-frastrukturen von über 85 teilnehmenden Forschungseinrich-tungen aus Österreich“, wird seitens des BMBWF betont. Geplant war überdies die Einbindung der „Austrian BioImaging Node Initiative“ in die Europäische Forschungsinfrastruktur BioIma-ging. Dazu müsste Letztere aber zunächst als „ERIC“ (European Research Infrastructure Consortium) etabliert werden, was noch einer Entscheidung der EU-Kommission bedarf, die für  Ende 2018 erwartet wird. Erst danach könne eine offizielle Ausschrei-bung für nationale Knoten stattfinden, so das Ministerium. Eine Grundsatzentscheidung betreffend eine Mitgliedschaft Öster-reichs liege aber vor – und auch in technologischer Hinsicht haben sich mehrere Universitäten und Forschungseinrichtun-gen zu einem Konsortium zusammengeschlossen. Der Aufbau eines österreichischen Knotens der europäischen Bioinforma-tik-Infrastruktur „ELIXIR“ steht dagegen mit der Etablierung der österreichischen Bioinformatikplattform erst am Anfang, wird aber durch Hochschulraumstrukturmittel aus der Ausschrei-bung 2016 unterstützt.

 

Stammzellenforschungszentrum: Fünf Forschungsgruppen arbeiten schon


Sehr konkret waren die Aussagen der Life-Sciences-Strate-gie zur Einrichtung eines Stammzellenforschungszentrums am IMBA. Von insgesamt dafür aus dem Bundesbudget veranschlag-ten 15 Millionen Euro sind sechs Millionen (zusätzlich zum IMBA-Globalbudget) bereits geflossen, erste Strukturen konnten aufgebaut werden: „Derzeit besteht das Stammzellforschungs-zentrum aus einer Senior- und vier Junior-Forschungsgruppen sowie einer Stammzellen-Core-Facility. Noch ausständig ist die Besetzung einer weiteren Senior- und einer weiteren Junior-For-schungsgruppe. Deren Ausschreibungs- und Rekrutierungspro-zess ist für 2018 geplant“, so die Auskunft des BMBWF.

Das 2017 etablierte und von der FFG gemanagte Fellows-hip-Programm für akademische Ausgründungen leitet bereits zur wirtschaftlichen Nutzung des akademischen Wissens über. „In der ersten Einreichrunde wurden acht Fellowships geför-dert, wovon eines im Bereich Biomedizin einzuordnen ist“, so die Auskunft des BMBWF.
Die geeigneten Rahmenbedingungen für die Translation der biowissenschaftlichen Forschungsergebnisse in Richtung Unter-nehmen zu schaffen, ist Aufgabe des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW). Dazu sah die Life-Sciences-Strategie unter anderem eine Evaluierung der For-schungsprämie vor, deren Rolle bei der Standortsicherung und Verlagerung von F&E-Aktivitäten nach Österreich in einer kürz-lich durchgeführten Studie unterstrichen wurde. Das findet auch bei der Wirtschaft Gefallen: „Mittlerweile wurde die Forschungs-prämie auf 14 Prozent erhöht. Umso wichtiger ist es, auf den Impuls dieser Maßnahme für die Forschungstätigkeit und die Wirtschaft hinzuweisen“, heißt es dazu vonseiten des Fachver-bands der Chemischen Industrie (FCIO). Was die Anerkennung von Forschungsleistungen in dieser Hinsicht angeht, gelte es aber noch, Klarstellungen zu treffen und Entbürokratisierungs-maßnahmen zu ergreifen.

 

Translational Research und Standortattraktivität


Besondere Aufmerksamkeit wurde anlässlich der Präsenta-tion der Life-Sciences-Strategie dem Plan zuteil, ein „Translational Research Center“ mit Fokus auf Medizinische Biotechnologie einzurichten, um österreichische Entwicklungsprojekte entspre-chend unterstützen zu können. Ein entsprechender Businessplan war bereits zuvor ausgearbeitet worden, derzeit wird die öffentliche und private Finanzierung verhandelt, die Vorausset-zung für die Errichtung einer entsprechenden Finanzierungs-gesellschaft ist. „Mit dem Abschluss dieser Vorbereitungen wird noch im Laufe des Jahres 2018 gerechnet. Der nationale Finan-zierungsanteil ist budgetär bedeckt“, heißt es dazu aus dem BMDW.
Innovationsfreudigen Unternehmen der Life-Sciences-Bran-che wird auch eine Reihe von Maßnahmen entgegenkommen, die den Standort Österreich attraktiver und Verwaltungsvor-gänge einfacher machen sollen. So wurden beispielsweise die Bedingungen der „Rot-Weiß-Rot“- Card für ausländische Schlüs-selkräfte und Gründer erleichtert, und die für den Forschungs-bereich lange geforderte Arbeitszeitflexibilisierung wurde im Parlament beschlossen. Auch kam es zu Verwaltungsvereinfa-chungen rund um die Unternehmensgründung, so ist seit Anfang 2018 die elektronische Gründung einer Ein-Personen-Gesell-schaft möglich.
„Bürokratieabbau ist nicht nur eine Rücknahme von Geset-zen, sondern auch eine Änderung in der Beamtenkultur, beides benötigt Zeit“, ist die Meinung des FCIO dazu. Mit dem Bundes-rechtsbereinigungsgesetz und der Initiative zur Rücknahme von Gold Plating bei der Umsetzung von EU-Richtlinien werde aber generell das Umfeld für Bürokratieabbau aufbereitet.

Original Kolumne 5/2018

Cosmas Arnold, Therese Wohlschlager und Matthias Muhar, drei junge Krebsforscher aus Wien und Salzburg, sind von der biowissenschaftlichen Gesellschaft für ihre international aufsehenerregenden Arbeiten ausgezeichnet worden. Ihre Erkenntnisse helfen mit, die todbringende Krankheit zu besiegen.

Cosmas Arnold arbeitet am Wiener Institut IMP und befasst sich mit fehlerhaften Genausprägungen (wie es bei Krebs der Fall ist). Seine neu entwickelte Methode „wird dazu beitragen, unser Verständnis der Genregulation stark zu verbessern“, begründete die Jury. Wie reagieren Krebszellen auf Chemotherapeutika? Top-Forscher Matthias Muhar ist ebenfalls am IMP tätig und beschäftigt sich mit dieser Frage. Er hat ein Verfahren geschaffen, mit dem diese Reaktion umfassender als bisher studiert werden kann. Therese Wohlschlager von der Uni Salzburg räumte den Sonderpreis ab. Ihre Erkenntnisse tragen dazu bei, dass Krebs-Medikamente jetzt wesentlich besser hergestellt werden können.
Die drei Forscher erhalten jeweils 3000 Euro, ausgelobt mithilfe des Ministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. Die Preise wurden am Montagabend am Uni-Wien-Campus im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften vergeben.

 

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