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Wir sind ab nun regelmäßig im CHEMIE REPORT mit einer ÖGMBT-Kolumne mit den neuesten Entwicklungen aus der österreichischen Life Science Szene vertreten. Wenn Sie einen interessanten Beitrag dazu leisten wollen, richten Sie Ihre Anfrage bitte an die Geschäftsstelle!

 

 

„Erfinden Sie selbst Ihren Job“

on 28 July, 2026

Die Life Sciences Career Fair, die am 13. Mai an der Hochschule Campus Wien stattfand, bot eine gute Gelegenheit, sich persönlich zu vernetzen – auch wenn heuer nicht so viele Firmen um Talente warben, wie erhofft.

Es war schon auffällig: Nutzten die Firmen in den vergangenen Jahren die Life Science Career Fair (LSCF), um geradezu um junge Talente mit biowissenschaftlichem Abschluss zu werben, so haben sie sich dieses Jahr rar gemacht. Lediglich Octapharma und Shimadzu hielten die Stellung und präsentierten sich und ihr Firmenprofil. Das heißt nicht, dass keine Aussteller da waren. Aber viele von ihnen kamen nicht aus der Privatwirtschaft: Die Uni Wien bewarb ihr Doktoratskolleg in Mikrobiologie und Umweltwissenschaften, die Universität für Weiterbildung Krems ihren MBA in Biotech, Pharma & Medtech Management. Fulbright Austria vermittelt Stipendien für die USA, Euraxess unterstützt Forscher, die eine Ortswechsel planen. In Forschungseinrichtungen wie der St. Anna Kinderkrebsforschung und am ISTA in Klosterneuburg gibt es, im Unterschied zur Industrie, freie Stellen. Das Kompetenzzentrum ACIB (Austrian Center for Industrial Biotechnology), seit Jahren Partner der LSCF, hatte ein Rezept für die jungen Biowissenschaftler parat: „Kommt mit Euren Ideen zu uns, wir können Euch helfen, Euren eigenen Job zu schaffen, ob in Industriekooperationen oder bei der Gründung eines Startups.“Denn das Interesse der Jungtalente war ungebrochen: Mit 630 Teilnehmern aus Molekularbiologie, Genetik, Biochemie und Biotechnologie wurde ein neuer Besucherrekord aufgestellt. „Karrierepfade in den Life Sciences verlaufen nicht mehr so linear wie früher“, sagte Alexandra Graf, Studiengangsleiterin Bioinformatik an der Hochschule Campus Wien, die erneut als Gastgeber fungierte, in ihren Eröffnungsworten. Da seien gerade Kompetenzen an der Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz auf der einen und Biowissenschaften auf der anderen Seite besonders nützlich. Auch Hermann Heinrich vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, das die LSCF von Anfang unterstützt, betonte die langfristige Perspektive: „Nach einem Abschwung geht es wieder aufwärts, dann werden gut ausgebildete Arbeitskräfte gebraucht.“ Dafür seien Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wichtig. ÖGMBT-Präsident Michael Sauer bedankte sich in seinen Eröffnungsworten bei beiden Partnern: „Die Unterstützung des Wirtschaftsministeriums ist mehr als nur finanzieller Natur. Es ist auch jedes Mal jemand persönlich da.“ Und ohne die Achse zwischen ÖGMBT-Geschäftsführerin Alexandra Khassidov und Bea Kuen-Krismer, die bis Anfang des Jahres das Department Applied Life Sciences an der Hochschule Campus Wien leitete, wäre dieser Event nicht entstanden. Inhaltlich knüpfte Sauer an die veränderte Situation an: „Es sind derzeit weniger Life-Science-Jobs verfügbar.“ Diese Disziplinen würden gleichwohl dazu beitragen, Herausforderungen zu lösen, die uns längerfristig beschäftigen werden: Klimawandel, Ernährungssicherheit, Gesundheit. „Heute sind mehr als 600 Leute hier: Suchen Sie nicht nur den Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern, sprechen sie auch miteinander“. Es sei nur ein Teil der Wahrheit, auf ausgeschriebene Jobs zu reagieren. „Überlegen Sie, was sie wirklich tun wollen, nicht nur als Entrepreneur, sondern auch in Interaktion mit bestehenden Unternehmen.“

 

Der Wert persönlicher Kontakte
Im Gespräch mit dem Chemiereport vertieft Sauer seine Überlegungen: „Digitale Möglichkeiten eröffnen uns unvorstellbare neue Wege, was ziemlich aufregend ist. Auch ich finde, dass das Treffen neuer Bekanntschaften im Videocall deutlich besser geht als früher am Telefon.“ Gerade in diesem Licht werden zwischenmenschliche Beziehungen aber immer wichtiger. Hier sieht er eine wichtige Rolle, die wissenschaftliche Gesellschaften wie die ÖGMBT heute haben. „Die vielen Interessenten für eine Stelle haben kaum je die Gelegenheit, sich auszutauschen, voneinander zu lernen oder gemeinsam etwas neues zu schaffen. Die LSCF ermöglicht genau das: Jobsuchende können einander kennenlernen und Ideen austauschen.“ Sauer erzählt von einem konkreten Beispiel: „Ich habe mit einem jungen Jobsuchenden gesprochen, der eine bestimmte Vorstellung von einem Projekt hatte, das er gerne umsetzen würde. Zwanzig Minuten später sprach ich mit einer anderen Person, die komplementäre Kompetenzen und sehr ähnliche Ideen hatte.“ Die beiden kannten sich nicht, also stellte Sauer den Kontakt im Rahmen der LSCF kurzerhand her. „Ich weiß nicht, ob und was aus diesem Kontakt geworden ist, aber ich konnte beobachten, dass die beiden sehr lange und sehr  angeregt miteinander geredet haben“, erinnert er sich. Die ÖGMBT biete mehrere Formate an, mit denen Ideenaustausch und Vernetzung möglich sei: Das FEMS Regional Collab am 14. und 15. September am Vienna Biocenter in Wien wird sich diesem Thema grenzüberschreitend widmen und Mikrobiologinnen und Mikrobiologen aus der Region zusammenbringen, um gemeinsame Interessen, Ideen und Träume zu entwickeln. Dieses ergänzt damit die diesjährige ÖGMBT-Jahrestagung, die zur selben Zeit stattfindet und heuer als FEBS 3+ Meeting gemeinsam mit den Partnergesellschaften Bilder: HCW/Lederer39 AustrianLifeScienceschemiereport.at 2026.4LIFE SCIENCESaus Tschechien und Slowenien abgehalten wird. Sauer: „Die thematische Breite ist dabei ein Vorteil, weil hier Überschneidungen und Komplementäres gefunden werden können, die sonst verborgen bleiben. Und bei einem Glas bei ,Wein und Science‘ am Abend entsteht manches, das in themenspezifischen Sessions gar keinen Platz hat.“ Schließlich ist auch die ÖGMBT-Jungforscher-Organisation „Young Life Scientists Austria“ eine hervorragende Plattform zum Austausch. Das bewiesen auch deren Vertreterinnen auf der LSCF: Polina Sokolova und Sofia Vatchkov erzählten in einer erfrischenden Präsentation, welche Vorteile eine Mitgliedschaft besitzt und wie gut man sich dabei auch international vernetzen kann. Sauer möchte auch diesen Artikel für einen Aufruf nutzen: „Bringen Sie Ihre Ideen ein, tauschen wir uns aus.“

Published in Chemiereport 04/2026