viewer

 

 

 

Wir sind ab nun regelmäßig im CHEMIE REPORT mit einer ÖGMBT-Kolumne mit den neuesten Entwicklungen aus der österreichischen Life Science Szene vertreten. Wenn Sie einen interessanten Beitrag dazu leisten wollen, richten Sie Ihre Anfrage bitte an die Geschäftsstelle!

 

 

chemiereport 03/2021

chemiereport 03/2021 (1)

Auf zu neuen Abenteuern

Monday, 31 May 2021 06:36

Laut ÖGMBT-Präsident Lukas Huber war die COVID-19-bedingt virtuelle Jahrestagung 2020 „eine Expedition und ein Abenteuer“. Die Vorbereitungen für deren heurige Neuauflage sind bereits voll im Gang.

Ein großer Erfolg war die Jahrestagung 2020 der ÖGMBT, die infolge der COVID-19-Pandemie erstmals online abgehalten wurde. Präsident Lukas Huber konstatierte bei der Abschlussveranstaltung, die „virtuelle“ Jahrestagung sei „eine Expedition und ein Abenteuer“ gewesen. Doch die Organisatoren Harald Pichler von der Technischen Universität Graz und Helmut Bergler von der Universität Graz hätten dieses mithilfe ihres „Backoffice“ höchst professionell gemeistert. Der ÖGMBT sei es gelungen, sich als Dienstleister für die wissenschaftliche Gemeinschaft zu positionieren. Dank zollte Huber auch den Partnern, Sponsoren und Ausstellern: „Ohne sie wäre die Veranstaltung nicht möglich gewesen.“ Höchst engagiert zum Gelingen des Jahrestreffens beigetragen haben laut Huber auch die Mitglieder der Young Life Scientists Austria (ÖGMBT-YLSA): „Ihr seid unsere Zukunft. Geht gemeinsam mit uns Euren Weg weiter!“


Die beiden Grazer Organisatoren hatten Bedenken, ob es möglich wäre, „so etwas wie Interaktivität über das Netz hinzubekommen“, berichtet Pichler: „Der wissenschaftliche Austausch lebt ja davon, dass Menschen einander sehen, miteinander sprechen. Da liegt auch ein wenig Emotionalität drin.“ Letzten Endes habe das aber gut funktioniert, nicht zuletzt dank der „sehr guten Umsetzung durch das Backoffice“, betont Bergler. Er verweist ferner auf das große Engagement der Chairs der einzelnen Sessions: „Sie haben ein sehr interessantes Programm aufgesetzt.“ Sämtliche Sessions erwiesen sich mit jeweils etwa 50 bis 60 Teilnehmern als sehr gut besucht: „Ich war positiv überrascht.“ Insgesamt verfolgten rund 500 Interes-sierte die Tagung. Großen Anklang, insbesondere unter den jüngeren Teilnehmern, fand die Life Science Career Fair. Dort präsentierten sich Unternehmen, um junges wissenschaftliches Personal zu gewinnen. Break-out-Sessionen mit begrenzter Teilnehmerzahl boten die Möglichkeit zu Gesprächen im kleineren Kreis. Nach der Tagung organisierten Pichler und Bergler eine Feedback-Runde mit den Teil-nehmern und Ausstellern, deren Ergebnisse sie dem Organisator des heurigen Treffens, Hesso Farhan von der Medizinischen Universität Innsbruck, mitteilten.


Hochrangige Keynote-Speaker
Wie Farhan, der Leiter des 15-köpfigen Organisationskomitees, berichtet, sind die Vorbereitungen für das Treffen vom 20. bis 22. September in vollem Gang. Ihm zufolge konnten bereits 20 hochrangige Sprecher gewonnen werden, nicht zuletzt dank des großen Engagements seiner Mit-organisatoren: „Es gibt große Begeisterung. Ich glaube, wir werden ein schönes Meeting haben.“ Das Thema der Tagung lautet „From Molecular machines to translational medicine“. Konkret geht es darum, die Funktionsweise von sogenannten molekularen Maschinen, wie etwa Eiweißmo-lekülen, zu ergründen und deren Rolle in der Biomedizin zu untersuchen. Aller Voraussicht nach wird das Treffen auch heuer online stattfinden. Als Keynote-Speaker konnten Farhan und seine Kollegen drei hoch angesehene Persönlichkeiten gewinnen: Elizabeth Henske, Douglas Hanahan und Bas van Steensel. Henske ist Profes-sorin an der Harvard Medical School und Associate Member des Broad Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Hanahan ist Professor an der École polytechnique fédérale de Lausanne und Leiter des Schweizerischen Instituts für Experimentelle Krebsforschung (ISREC). Van Steensel schließlich leitet eine Forschungsgruppe am Netherlands Cancer Institute in Amsterdam, eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Krebsforschung.


Soziale Medien stärker nutzen
Vorgesehen sind etwas längere Breakout-Sessions als beim vorigen Jahrestreffen. Die Sessions erfreuten sich großer Beliebtheit. Manche Teilnehmer äußerten den Wunsch, diesen mehr Raum zu geben. Farhan kann dem viel abgewinnen: „Wenn die Sessions länger sind, kann man zwei Hauptvorträge abhalten und überdies mehr Studierende einladen, ihre Arbeiten vorzustellen.“ Verstärkt nutzen möchte Farhan die sozialen Medien wie etwa Twitter, um die Jahrestagung noch besser be-kannt zu machen. Gibt es ein Twitter-Hashtag und wird dieses von der „Community“ verwendet, können auch Personen das Treffen mitverfolgen, die keine Gelegenheit zur Teilnahme haben.
Weiterhin geben wird es die Flash-Präsentationen, die beim vorigen Jahrestref-fen bestens ankamen. Farhan zufolge war das „eine geniale Idee. Und was funktioniert hat, muss man beibehalten“. Die Präsentationen bieten vor allem jüngeren Kollegen, etwa Postdocs oder PhD-Studenten, die Möglichkeit, ihre Arbeiten in ansprechender und lebendiger Form zu präsentieren. Wie Farhan erläutert, waren viele der Präsentationen auf eine Weise gestaltet, die die teils hochkomplexen Themen auch für interessierte Laien verständlich macht. Und gerade das sollte ihm zufolge gefördert werden.

Österreich vor den Vorhang
Verstärkt hervorheben möchte Farhan die österreichische Forschung auf den verschiedenen Gebieten, die bei der Tagung behandelt werden. Gerade in dieser Hinsicht ist es laut Farhan von Vorteil, die Veranstaltung digital abzuhalten: „Man hat einfach mehr Zeit und kann die For-schungslandschaft Österreichs besser ab bilden. Man bekommt ein noch besseres Gefühl dafür, was sich auf dem Feld, auf dem man arbeitet, tut. Und vielleicht erfährt man, mit wem man eventuell zusammenarbeiten könnte.“ Der bessere Überblick über die Lage in Österreich sei nicht zuletzt für junge Kollegen am Beginn ihrer Karrieren hilfreich. Und weil mehr Zeit zur Verfügung steht, bekämen diese auch mehr Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse zu zeigen.
Etwas umfassenderer Änderungsbedarf besteht dagegen bei der „Virtual Expo“. Sie wird Farhan zufolge voraussichtlich nicht mehr in der bisherigen Form stattfinden. Die in der „realen“ Welt gegebene Möglichkeit, in den Kaffeepausen zwischen den wissenschaftlichen Sessions die Stände der Aussteller zu besuchen, ließ sich nicht in geeigneter Form „virtualisieren“. Daher überlegen er und seine Mitorganisatoren, die Unternehmen verstärkt in das Vortragsprogramm einzubinden. Beispielsweise könnten Anbieter eingeladen werden, ihre neuesten Produkte und deren Anwendungsmöglichkeiten zu präsentieren: „Wenn das mitten im Programm erfolgt, schaltet ja niemand ab.“