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Wir sind ab nun regelmäßig im CHEMIE REPORT mit einer ÖGMBT-Kolumne mit den neuesten Entwicklungen aus der österreichischen Life Science Szene vertreten. Wenn Sie einen interessanten Beitrag dazu leisten wollen, richten Sie Ihre Anfrage bitte an die Geschäftsstelle!

 

 

chemieReport 01/2021

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Etliche Mitgliedsunternehmen der ÖGMBT sind im Begriff, wichtige Beiträge zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie zu leisten – und das möglicherweise weltweit. Ein Beispiel von vielen zeigt dies.

Im Kampf gegen das SARS­CoV­2­Virus sind auch etliche Mitglieder der ÖGMBT engagiert. Dies betrifft nicht zuletzt die Entwicklung von Tests, zeigt das Beispiel der Lexogen. Sie entwickelte den „ers­ ten marktreifen COVID­19­Test für echtes Massenscreening im öffentlichen Gesund­ heitswesen“. Laut Produktmanager Lukas Paul war die Motivation die im März 2020 manifest gewordene Notwendigkeit, mög­ lichst rasch eine große Anzahl von Proben auf das SARS­CoV­2­Virus zu untersuchen. „Das war für uns die ideale Herausforde­ rung. Wir verfügen über eine Technologie, die vom Ansatz her, aber auch vom Durch­ satz etwas Neues bieten kann“, erläutert Paul. Bis Dezember vergangenen Jahres entwickelte das Unternehmen den neuar­ tigen Test bis zur Marktreife. Dies erfolgte im Rahmen des seinerzeitigen Emergency­ Calls der Bundesregierung, der von der FFG unterstützt wurde.

Laut Paul handelt es sich um einen Gur­ geltest, der auch von Privatpersonen zu Hause leicht und zuverlässig angewandt werden kann. Im kommerziellen Einsatz könnte dies wie folgt funktionieren: Die betreffende Person gurgelt etwa 30 bis 60 Sekunden lang mit einer Salzlösung und transferiert einen Milliliter dieser Probe in ein Röhrchen. Dieses gibt sie bis 10 Uhr vormittags an einer öffentlichen Sammelstelle ab. Von dort aus gelangt die Probe in ein molekularbiologisches Zentralla­
bor, wo ihre Auswertung erfolgt. Am nächsten Tag erhält die Per­son bis etwa 7 Uhr morgens das Ergebnis des Tests und kann in der Folge entsprechende Maßnah­
men setzen. Möglich wäre auch, den von Lexogen entwickelten Test in Gesundheitseinrichtungen einzusetzen, etwa in Senioren- sowie in Pflegeheimen, erläutert Paul. Regelmäßig screenen ließen sich sowohl die Patienten als auch das Per­ sonal. Die Nutzung des Tests bedarf keines großen Aufwands. Ein Unternehmen oder eine sonstige Institution müsse lediglich über die Möglichkeit verfügen, die Gurgel­ tests an die zu untersuchenden Personen zu verteilen und sie wieder einzusammeln. „Bei der Beschaffung der Gurgelsets, die auf dem Markt erhältlich sind, können wir gerne helfen“, betont Paul.

Nahe am „Goldstandard“

Biotechnisch betrachtet, detektiert der Test die virale RNA in der jeweili­ gen Probe. Ähnlich wie bei einem PCR­ Test erfolgt dies mit hoher Sensitivität und Spezifität, versichert Paul: „Deshalb können wir auf Gurgeltests zurückgrei­ fen und brauchen keine Nasenabstri­ che zu machen.“ Die Zuverlässigkeit des Tests liege bei rund 99 Prozent und somit auf dem Niveau der als „Goldstandard“ betrachteten PCR­Tests. Zum Vergleich: Bei den derzeit verfügbaren Antigentests ist stark variierend mit etwa 72 bis 96 Pro­ zent zu rechnen. Die Kosten sind laut Paul durchaus „massentauglich“: „Wir bewe­gen uns weit unter den Kosten für PCR­ Tests, eher auf dem Niveau des Aufwands für Antigentests. Unser Vorteil ist aber die höhere Sensitivität. Außerdem kön­ nen wir im Gegensatz zu den Antigentests auch die Sequenzinformationen liefern.“
Im kommerziellen Einsatz war der Test von Lexogen bis dato noch nicht. Er wurde jedoch bereits an mehr als 5.000 Proben validiert. Überdies erfolgte eine Vergleichsstudie am Vienna Biocenter, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat. Der nächste Schritt ist Paul zufolge nun die behördliche Zertifizierung: „Wie lange diese dauert, kann ich leider nicht sagen.“ Am Campus Vienna Biocenter werden Tests auf SARS­CoV­2 mittlerweile alle drei Tage durchgeführt. Laut Paul ist es auf diese Weise möglich, bereits infi­ zierte, aber noch nicht infektiöse Per­ sonen zu identifizieren und damit die weitere Ausbreitung der Pandemie einzu­ dämmen: „Bei Lexogen hatten wir bisher vier derartige Fälle. Von den Betroffenen wurde niemand mehr angesteckt.“
Die Lexogen sei jedenfalls froh, bei der Bewältigung der Pandemie helfen zu können – und das nicht nur in Öster­ reich: „Wir haben bereits Interessenten aus anderen europäischen Ländern, aber auch aus den USA.“
Außer der Lexogen arbeitet eine Reihe weiterer Mitgliedsunternehmen der ÖGMBT an der Bewältigung der Pande­ mie. Über weitere Beispiele wird der Che­ miereport in den kommenden Ausgaben berichten.

 

 Published in ChemieReport 01/2021