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„Window of opportunity“ für die Grundlagenforschung

on 27 March, 2017

Die Unterlegung der finanziellen Forderungen des FWF mit einem Strategiepapier hatte konkrete Zusagen der Politik zur Folge. Nun gilt es, die versprochenen Summen auch im Bundesfinanzrahmen darzustellen.

Die Forderung nach einer besseren Dotierung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) ist nicht neu. Doch in den vergangenen Monaten hat die Diskussion eine neue Qualität bekommen: „Es war notwendig, die Forderung nach mehr Ressourcen inhaltlich zu untermauern“, betont FWF-Präsident Klement Tockner. Der Ökologe, der seit 1. September 2016 als erster hauptamtlicher Präsident des FWF fungiert, trieb daher die Ausarbeitung von „Strategischen Vorhaben“ voran, in denen wichtige Weichenstellungen für die Förderung der Grundlagenforschung bis 2021 formuliert sind. Und auch wenn mit Geld allein nicht alles zu erreichen ist: Wichtige Schwerpunkte des Strategiepapiers zielen auf die Erhöhung des zur Verfügung stehenden Fördervolumens ab. „Aus der Wissenschaftsgemeinschaft kommt berechtigter und starker Druck, die wettbewerblichen Mittel zu erhöhen“, gibt Tockner zu bedenken. Die Bewilligungsquote lag zuletzt nur bei rund 20 Prozent, jährlich werden Projekte im Ausmaß von circa 60 Millionen Euro exzellent begutachtet, können aber aus Geldmangel nicht gefördert werden. Dieser Punkt ist auch ÖGMBT-Vizepräsident Josef Glößl, Vizerektor der Universität für Bodenkultur und als Vorsitzender der Delegiertenversammlung des FWF ein wichtiges Bindeglied zur Universitätslandschaft, ein wichtiges Anliegen: „Die Strategie ist in sehr enger Abstimmung mit den Gremien des FWF entstanden.“ Es seien sich aber auch alle Beteiligten einig, dass es dabei nicht lediglich zu einer Umschichtung der finanziellen Mittel kommen dürfe: „Eine Erhöhung des FWF-Budgets darf nicht zulasten der Grundfinanzierung der universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gehen. Es gibt dringenden zusätzlichen Finanzierungsbedarf auf beiden Seiten.“ Zudem sind Glößl die sogenannten projektgebundenen Overhead- Kosten ein großes Anliegen, also die Abdeckung eines Teils jener Mehrkosten, die eine  Forschungseinrichtung aufgrund des erfolgreichen Einwerbens von kompetitiven Mitteln hat: „Das würde den Forschungsstätten ein hilfreiches Instrument für eine zielgerichtete Stärkung des Forschungsumfelds erfolgreicher FWF-Antragsteller an die Hand geben." Im Strategiepapier ist von 25 Prozent der Overheadkosten die Rede, die rechtsverbindlich direkt über den FWF abgedeckt werden sollen. „Der übrige Anteil müsste über die Leistungsvereinbarungen des Ministeriums mit der jeweiligen Forschungseinrichtung geregelt werden“, so Tockner.

Neue Ideen braucht das Land

Darüber hinaus hat man aber auch neue Ideen in das Strategiepapier aufgenommen, die nach Ansicht Tockners bestehende Lücken in der Förderlandschaft füllen können: Für fundamental neue und daher risikoreiche Forschungsideen, die in herkömmlichen Begutachtungsverfahren oft nicht richtig bewertet
werden können, soll mit dem „1000-Ideen-Programm“ ein neuer Förderrahmen geschaffen werden. „Wenn etwas wirklich innovativ ist, gibt es meist noch nicht viele Vorarbeiten dazu. Dann ist es aber oft schwierig, die Gutachter von der Idee zu überzeugen“, stellt auch Glößl fest. Gerade derartige Forschungsvorhaben hätten aber das Potenzial, völlig unerwartete Ergebnisse zu liefern. Mithilfe des Instruments der „Zukunftsprofessuren“ wiederum sollen in den kommenden acht Jahren 200 international exzellente Nachwuchswissenschaftler an eine Universität gebunden, und damit soll der Wissenschaftsstandort Österreich nachhaltig gestärkt werden. Ebenso wichtig ist nach Aussage Tockners aber auch die kontinuierliche Qualitätsentwicklung, die einen fairen Begutachtungsprozess gewährleisten muss sowie die Weiterentwicklung von  Partnerschaften – mit anderen Fördereinrichtungen, mit privaten Stiftungen, mit den Förderstellen der Bundesländer. Auch Hans Sünkel, Vorsitzender des FWF-Aufsichtsrats, zieht ein positives Resümee über den Strategieprozess: „Es ist wichtig, dass der FWF hier mit einer Stimme spricht. So kann man vermitteln: Das Geld ist Mittel zum Zweck, es dient dazu, die Zukunft der Grundlagenforschung zu sichern.“ 

Das liebe Geld

Die inhaltliche Ausarbeitung der strategischen Pläne hat auch bei der Politik Eindruck gemacht: Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner  sagte im Dezember zusätzliche 281 Millionen Euro für den FWF im Zeitraum 2018 bis 2021 zu, die einen Teil der „Forschungsmilliarde“ darstellen, und ließ sich das auch durch einen Ministerratsbeschluss bestätigen. „Das Budget soll bis 2021 schrittweise auf 290 Millionen Euro pro Jahr  angehoben und anschließend verstetigt werden“, so Tockner. Nun gehe es darum, dass in den Verhandlungen zum Bundesfinanzrahmen 2018 bis 2021 auch die dafür erforderlichen Mittel freigemacht werden. „Es wäre eine immens große Enttäuschung, wenn die zugesagten Mittel  nicht ins Budget hineingenommen würden“, gibt Tockner zu bedenken. Angesichts der Erhöhung der Forschungsprämie für Unternehmen würde dadurch auch eine noch deutlichere Schieflage zwischen Grundlagenforschung und industrienaher Forschungsförderung entstehen. Vonseiten des BMWFW war auf Nachfrage des Chemiereport zu erfahren, dass man bestrebt sei, die vollständige Dotierung der zusätzlichen Budgetmittel für den FWF im Bundesfinanzrahmen darzustellen. Dies sei aber davon abhängig, welche in Zahlen gegossene Prioritäten der  Bundesregierung vom Nationalrat für die Zukunft des Landes beschlossen werden. Das Finanzministerium habe den Abschluss der Verhandlungen bis Ende April 2017 in Aussicht gestellt. Sobald der Budgetplan fixiert sei, werde die Priorisierung der Vorhaben im Dialog zwischen FWF, Forschungscommunity und Ministerium
erfolgen.Tockner glaubt, dass sich derzeit politisch ein „window of opportunity“ bietet, um eine für die Grundlagenforschung so wichtige, langfristige und solide Basis zu schaffen. Das Strategiepapier des FWF sei ausgesprochen gut aufgenommen worden, es habe über alle  Parteigrenzen hinweg Zustimmung gefunden, so Tockner. Gerade angesichts der Diskussion um eine „postfaktische Gesellschaft“ sei evidenzbasierte Wissenschaft als „honest broker“ gefragter denn je: „So wie man sich in Österreich als Kultur- oder Skination verstehe, so muss man  sich auch als Forschungsnation sehen – diese Chance besteht jetzt.“

Original Kolumne 01/2017